Corona-Ausbruch bei Tönnies
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Clemens Tönnies befindet sich wie sein Verein, der FC Schalke 04, in einer tiefen Krise. Aber die geht auch vorüber. (Archivbild)

Corona und die Fleischfabriken

Corona Ausbruch bei Tönnies: Billigfleisch für alle!

  • Volker Heise
    vonVolker Heise
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Wenn gegrillt wird, muss das Fleisch billig sein. Und wie es hergestellt wird, war vor Corona egal - und wird es auch danach wieder sein.

Also Tönnies. Mal ehrlich. Wundert es jemanden? Der Mann ist Chef von Schalke 04. Er hat Brot und Spiele zu Fleisch und Spiele gemacht. Ein ganzer Landkreis pflegte nach seiner Pfeife zu tanzen. Europas größter Schlachthof ist eine Macht in NRW. Vertragsarbeiter aus Osteuropa, Sub- und Subsubunternehmen, die Menschen wie Vieh hin und her karren. Ist alles lange bekannt. Hat nur niemanden interessiert. Das Fleisch ist ja immer noch billig.

Corona bei Tönnies: Wen wundert das? 

Denken Sie an Tönnies, wenn Sie diese Wurst auspacken? An den brutalen Preiskampf, den die Discounter untereinander ausfechten und an den Druck, den sie auf die Anbieter ausüben? Auf Schlachthöfe wie auf Bauern? Die Landwirte müssen die Schweine punktgenau und in mageren Zustand anliefern, weil sonst Geld abgezogen wird bei einer Gewinnspanne, die so klein ist, dass man sich nicht den Strick kaufen kann, um sich daran aufzuhängen?

Die von freien Landwirten zu abhängigen Zulieferbetrieben in einer industriellen Kette geworden sind? Wer denkt an sowas, wenn sie oder er am Grill steht und die Kohle angefeuert wird und der Kartoffelsalat halb so viel gekostet hat wie das Nackensteak? Mal ehrlich!

Tönnies und Corona: Fleisch soll billig sein

Es heißt auch, Fleisch soll so billig sein, damit auch die Armen es sich leisten können. Nur müssen die noch Ärmeren dafür am Band stehen und ein Tier nach dem anderen kaltmachen, während die Sportschau läuft. Werder Bremen hat Wiesenhof auf den Trikots, was auch so ein Massenschlachter ist, der jeden Samstag aufläuft, zur besten Grillzeit.

Clemens Tönnies befindet sich wie sein Verein, der FC Schalke 04, in einer tiefen Krise. Aber die geht auch vorüber. (Archivbild)

Jetzt steht die Mannschaft vor dem Abstieg. Kein Wunder: die Rache der Hühner. Wiesenhof gehört zur PHW-Gruppe mit Sitz in Vaduz und verarbeitet Geflügel wie Mähdrescher den Weizen. Mit einem Unterschied: der Weizen sieht die Sonne.

Massentierhaltung und Fleischfabriken in Corona Zeiten

Ich bin kein großer Tierrechtsfan, aber die Sache stinkt zum Himmel, und wir alle wissen es. Sie stinkt oft sogar wirklich: wenn die Güllelaster über Land fahren, um den Dreck auf die Felder zu bringen, ein paar Hundert Kilometer entfernt von der Riesenstallanlage, in denen er angefallen ist.

In deren Nähe will auch niemand leben, wegen der ganzen Antibiotika und den multiresistenten Keimen, auf die die Bauern geprüft werden, bevor sie eine Klinik betreten dürfen. Die Gülle versickert im Boden und verseucht das Grundwasser auf Jahrzehnte hinaus. Das wissen wir alles. Aber, ehrlich: Samstag ist wieder Grilltag. Es soll knallgutes Wetter sein. Und die herrlichen Minutensteaks von Gut Bartenhof gibt es bei Norma in der Frischfleischtruhe für 4,99 die 800-Gramm-Packung: 21 Prozent billiger als sonst.

Tönnies: Wie Fleisch hergestellt wird, ist nicht so wichtig – oder? 

In diesem Gute-Laune-kostet-Nichts-System der Fleischindustrie sind die Vertragsarbeiter aus Rumänien, Bulgarien oder Polen die Unsichtbaren. Sie sind da, aber niemand will sie sehen, also werden sie auch nicht gesehen.

Das System der Subunternehmen, die Ausbeutung der Leute, die miserablen Lebens- und Arbeitsbedingungen, all das steht seit langem öffentlich im Raum, ohne dass es wirklich zur Kenntnis genommen wird. Auch jetzt nicht.

Corona-Ausbruch bei Tönnies: Er belieferte sie alle

Eigentlich interessiert nur der Virus, der uns gerade mit der Wurst serviert wird. Tönnies beliefert sie alle: Lidl, Aldi, Edeka, Rewe, Kaufland. Brot für die Welt, hat der Kabarettist Matthias Deutschmann einmal gesagt, aber die Wurst bleibt hier.

Glaubt irgendjemand, dass sich daran nach Corona etwas ändert? Quatsch! Am Samstag ist wieder Sportschau. Nur eine Sache könnte anders werden: Schalke steigt ab. Nächstes Jahr ist es soweit. Darauf ein Glas Senf.

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