+
Verhandelte bereits unmittelbar nach der Wahl über eine Aufhebung der Sanktionen: Michael Flynn

USA

Das Comeback der Russland-Affäre

  • schließen

War Donald Trump mit Michael Flynns Russland-Kontakten heimlich doch einverstanden? Oder ist der amerikanische Präsident nur in seiner paranoiden Verschwörungswelt gefangen? Beide Gedanken sind beunruhigend. Ein Kommentar.

Wenn man sich über den aktuellen Gemütszustand von Donald Trump informieren will, gibt es eine erstklassige Quelle - man muss nur den Kurznachrichtendienst Twitter verfolgen. In der Nacht von Montag auf Dienstag war die Stimmung des amerikanischen Präsidenten extrem schlecht: Er feuerte eine ganze Salve wütender Tweets ab, in denen er sich über eine angebliche politische Farce, vermeintliche Falschmeldungen und die verhasste „Lügenpresse“ ereiferte.

Trump hat allen Grund, aufgeregt zu sein. Der bemerkenswert souveräne, präzise und nüchterne Auftritt seiner Ex-Justizministerin Sally Yates vor einem Unterausschuss des US-Senats hat das Zeug, die bereits in Vergessenheit geratene Russland-Affäre während des amerikanischen Wahlkampfes neu zu beleben. Dass moskaufreundliche Kräfte durch Hackerangriffe und die Veröffentlichung ihrer E-Mails versucht haben, Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton zu schaden, halten die Geheimdienste für erwiesen. Bislang unbeantwortet aber ist die politisch entscheidende Frage: Hat  auch das Trump-Team heimlich mit Russland kooperiert?

Klar ist, dass es enge politische und geschäftliche Kontakte von Trumps damaligem Berater Michael Flynn und seinem früheren Wahlkampfleiter Paul Manafort gab. Nun kommt heraus, dass Flynn noch während der Übergangsphase unmittelbar nach der Wahl im November mit dem russischen Botschafter über eine Aufhebung der Sanktionen verhandelte, die Barack Obama wegen der Krim-Annektion verhängt hatte. Trump hat stets das Gegenteil behauptet. Angeblich hatte Flynn seine Vorgesetzten getäuscht. Tatsächlich aber wurde das Weiße Haus schon Ende Januar von Yates gewarnt, dass es Mitschnitte des abgehörten Telefonats gebe und Flynn damit erpressbar sei.  

Trump reagierte schnell – er feuerte die Justizministerin. Dass er seinen Sicherheitsberater Flynn hingegen für 18 Tage weiter in seinem hochsensiblen Amt ließ, erlaubt eigentlich nur zwei Rückschlüsse: Entweder war er mit den Russland-Kontakten heimlich doch einverstanden. Oder der amerikanische Präsident ist so in seiner paranoiden Verschwörungswelt gefangen, dass er die echten Sicherheitsrisiken nicht mehr erkennt. Beide Gedanken sind für die Außenwelt beunruhigend. Doch auch für Trump bergen sie erhebliche politische Gefahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare