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Manche Hochkriminalitätsherde gibt es nur in Frankfurt.
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Manche Hochkriminalitätsherde gibt es nur in Frankfurt.

Kolumne

Ein Clan vom Stamme Fußball

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Frankfurt – Hauptstadt des Verbrechens? Kein Kunststück. Schließlich haben wir hier die DFB-Zentrale.

Frankfurt hat ja immer gegen seinen Ruf als Hauptstadt des Verbrechens anzukämpfen. Ständig muss man irgendwelchen ungewaschenen Berlinern, rotzfrechen Hamburgern oder halbweltlichen Kölnern erklären, dass wir in Frankfurt nun mal ein paar Hochkriminalitätsherde unser eigen nennen, die es anderswo schlicht nicht gibt. Beispielsweise haben wir die DFB-Zentrale.

Nichts gegen Fußballer im Allgemeinen! Da gibt’s ja auch ein paar Anständige dabei, gerade auch im Breitensport. Es ist aber nicht zu leugnen, dass sich im Laufe der Jahrzehnte, in denen der Deutsche Fußball-Bund in Frankfurt wirkt, rund um das Waldstadion und die benachbarte DFB-Zentrale eine bizarre Parallelgesellschaft gebildet hat. Für gewisse Ethnien (Offenbacher, unbegleitete Kinder, Schiedsrichter) ist die Gegend rund um das Waldstadion, das in Polizeiberichten nur noch „Commerzbank-Arena“ genannt wird, an Wochenenden längst zur No-Go-Area geworden. Doch selbst ein massives Polizeiaufgebot kann nicht verhindern, dass es immer wieder zu Straftaten wie Körperverletzung, Beleidigung und Schwarzfahren kommt. Viele der zumeist jungen Menschen, die oft in bandenmäßiger Stärke am Stadion herumlungern, begegnen der Polizei mittlerweile mit einer Respektlosigkeit, die auch durch Kulturferne nicht mehr zu entschuldigen ist.

Wesentlich gravierender allerdings sind die Männer im Hintergrund (in der Tat handelt es sich bei den beherrschenden Clans in dem Problemviertel Otto-Fleck-Schneise auch weiterhin um ein streng patriarchal aufgebautes Stammessystem). Gegenwärtig hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft einen „Beobachtungsvorgang“ gegen den DFB eingeleitet, es könnte um Korruption, Betrug oder Untreue gehen, verraten die Ermittler, wenn sich denn der „Anfangsverdacht“ bestätigen sollte – aber daran will so recht keiner glauben. Bislang sind die Ermittlungen gegen den Clan, bei dem nach wie vor schwarze Luxuslimousinen als Statussymbol eine enorme Rolle spielen, stets im Sande verlaufen.

Tatsächlich rühmt sich der DFB, selbst aktiv im Kampf gegen Verbrechen und Mauschelei zu sein, und verweist gerne auf legendäre Erfolge: So habe etwa einst „der DFB Mario Basler überzeugen können, nicht mehr auf Spiele des von ihm trainierten Regionalligaklubs Eintracht Trier zu wetten“ („Tagesspiegel“, 23.11.2009).

Für das Bild der Deutschen im Ausland ist das fatal. Bereits im Vorfeld der WM in Brasilien 2014 meldete das Sportnachrichtenportal Sport1, dass „die Anwohner des deutschen WM-Quartiers Campo Bahia ...eine ansteigende Kriminalität durch den Bau des Camps beklagen“ müssten. Und da war die deutsche Fußballdelegation noch nicht mal eingetroffen.

Vielleicht ist es ja der Sport selbst, der brutalisiert, enthemmt und schon durch seine Spielekultur dafür sorgt, dass Verfehlungen nicht eingeräumt, sondern zwanghaft negiert werden. Niemand anders als der DFB hat das auch bereits frühzeitig erkannt und gewarnt: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“ Das hatte der DFB bereits 1955 beim vorübergehenden Frauenfußballverbot erkannt. Und es gilt nach wie vor. Auch – oder für allem – für Männer.

Stefan Behr ist Gerichtsreporter der FR.

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