Vorerst hat China seine Tiermärkte wegen der Verbreitung von Corona geschlossen (Archivbild).
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Vorerst hat China seine Tiermärkte wegen der Verbreitung von Corona geschlossen (Archivbild).

Kolumne

Hoffnung für Pangolin und Mensch: China schließt Tiermärkte - vorerst

  • vonManfred Niekisch
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China will seine Tiermärkte schließen, kann damit Corona ein Schnippchen schlagen und dazu Gutes für den Artenschutz tun.

Es wird viel spekuliert, welches der einträglichste Wirtschaftszweig der Welt ist. Drogen, Waffenhandel, Menschenhandel oder das Geschäft mit Wildtieren. Genaue Zahlen kann es nicht geben, da der Schwarzmarkt dominiert. Jedenfalls spielt der Handel mit wildlebenden Tierarten in dieser Spitzenliga.

Glaubt man chinesischen Angaben, haben allein dort 14 Millionen Menschen ihre Arbeitsplätze im Wildtierhandel. Und der soll 74 Milliarden US-Dollar wert sein. Die Tiermärkte Chinas sind Artenschützern schon lange ein Dorn im Auge, denn es wird fast alles verkauft, was selten und teuer ist, von filetierbaren Schlangen über Suppen-Fledermäuse bis zum frittierbaren Pangolin (Schuppentier).

Durch Wildtiermärkte wurden viele Arten im Bestand bedroht. Meist werden die Tiere lebend gelagert, unter Bedingungen, für welche die Bezeichnung „tierquälerisch“ fast noch eine Beschönigung ist. Aber billiger lässt sich die Ware nicht frisch halten. Sind die Märkte nötig, um das hungrige Volk zu ernähren? Ganz klar nein! Es sind vor allem die erstarkenden wohlhabenden Kreise der Bevölkerung, die sich solchen fleischlichen Luxus leisten.

Wegen Corona: China schließt Tiermärkte vorerst und erwägt dauerhaftes Verbot

Es passt derzeit nicht so richtig in die Nachrichtenlage, dass aus dem Reich der Mitte auch Positives zu vermelden ist. Etwas, das breite internationale Aufmerksamkeit verdient. Doch es gibt solche Nachricht: China hat seine Tiermärkte vorläufig geschlossen und erwägt ein dauerhaftes Verbot. Den Anstoß dazu haben nicht der Tier- und Artenschutz gegeben, sondern Corona. Allzu deutlich sind die Hinweise, dass diese Pandemie von Wildtieren auf den Menschen übertragen wurde.

Es ist nicht das erste Mal, dass von den Tiermärkten ausgehende Zündfunken zur weltweiten Explosion von Krankheiten führen. Zoonosen – Krankheiten die von Tieren auf den Menschen überspringen. Mers, Sars, Ebola, Chikungunyafieber, Schweine- und Vogelgrippe, die Liste lässt sich um vieles verlängern. 

Eine eigene wissenschaftliche Zeitschrift widmet sich seit 25 Jahren nur diesen „emerging infectious diseases“, den neuartigen Infektionskrankheiten. So wichtig sind sie geworden. Auch ohne das Corona-Virus wäre den Forscherinnen und Forschern die Arbeit nicht ausgegangen. Doch Corona befeuert die Diskussion neu und erweitert das Feld in dramatischer Weise.

WHO geht davon aus, dass die meisten Seuchen ihren Ursprung in Wildtieren haben

Auch die internationale World Health Organisation (WHO) geht inzwischen davon aus, dass viele, wenn nicht die meisten solcher Seuchen in (Wild-)Tieren ihren Ursprung haben. Immer klarer treten die Zusammenhänge dafür zutage zwischen geplünderter Natur und erkrankender Menschheit.

Artenschutzgesetze haben bisher kaum etwas beitragen können, den Handel mit Wildtierfleisch in China einzuschränken. National sind sie lückenhaft und schwer durchzusetzen, und das weltweit gültige Washingtoner Artenschutzabkommen regelt nur den grenzüberschreitenden Handel. Hier hilft nur ein Totalverbot.

In der Tat besteht nun ernsthaft Hoffnung, dass die chinesische Regierung diese Märkte des Grauens dauerhaft verbietet. Dafür sollte man China loben. Und hoffen, dass sich andere Länder zu einem ähnlichen Schritt entschließen. Das wäre gut für Pangolin, Fledermaus und Homo sapiens. Und man würde Corona und der nächsten Pandemie damit ziemlich sicher ein Schnippchen schlagen.

Lange Zeit schien es, als sei das Virus gestoppt. Nun haben Gesundheitswächter in Peking finden einen neuen Corona-Strang entdeckt.

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