Gedenkstein für die NSU-Opfer auf dem Halitplatz. Halit Yozgat wurde am 6. April 2006 als neuntes und letztes Opfer der NSU-Mordserie erschossen. 
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Gedenkstein für die NSU-Opfer auf dem Halitplatz. Halit Yozgat wurde am 6. April 2006 als neuntes und letztes Opfer der NSU-Mordserie erschossen. 

Kommentar

Chance für Aufklärung

  • Jan Sternberg
    vonJan Sternberg
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Im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke holen die Richter hoffentlich nach, was ihre Münchner Kollegen im NSU-Prozess versäumt haben. Der Kommentar.

Der Mörder von Walter Lübcke trat aus dem Dunkeln, im buchstäblichen und im übertragenen Sinne. Plötzlich stand er auf der nächtlichen Terrasse von Lübckes Wohnhaus, schoss und verschwand wieder. Verschwunden war der Hauptverdächtige Stephan Ernst auch aus dem Blickfeld der hessischen Sicherheitsbehörden. Ein Mann, der seit seiner Jugend mit äußerster Brutalität rassistische Taten verübt hat, galt plötzlich als „abgekühlt“.

Welche Rolle das Kasseler Neonazi-Netzwerk beim Mord an Lübcke spielte, aber auch beim Mord an dem Internetcafé-Betreiber Halit Yozgat vor 14 Jahren durch den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU), wird hoffentlich der Prozess gegen Stephan Ernst und Markus H. beleuchten. Es liegt an den Frankfurter Richtern, hier nachzuholen, was ihre Münchner Kollegen im NSU-Prozess versäumt haben: Zusammenhänge herzustellen. Unsere Demokratie schuldet Lübcke und allen Engagierten gegen rechts, nicht mehr blind zu sein. Es tut sich zwar was bei den Behörden, blind sind sie nicht mehr – aber immer noch viel zu kurzsichtig.

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