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Bye bye Bismarck

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Ein Polizist steht vor dem mit Farbe beschmierten Bismarck-Nationaldenkmal in Berlin, wobei ebenfalls der Schriftzug „Decolonize Berlin“ aufgesprüht wurde.
Ein Polizist steht vor dem mit Farbe beschmierten Bismarck-Nationaldenkmal in Berlin, wobei ebenfalls der Schriftzug „Decolonize Berlin“ aufgesprüht wurde. © dpa/(Archivbild)

In Offenbach am Main wurde 2020 über Otto von Bismarck gestritten – beziehungsweise über dessen politisches Vermächtnis. Ein Student hatte damals vorgeschlagen, die durch Offenbachs Innenstadt verlaufende Bismarckstraße umzubenennen. Und zum Beispiel nach dem Rapper Aykut Anhan aka Haftbefehl zu benennen – immerhin einem der bekanntesten Offenbacher mit Migrationsgeschichte.

Die Begründung: In seiner Zeit als Reichskanzler habe Otto von Bismarck die Kolonisierung Afrikas mitorganisiert – daher sei er für die „Ermordung von Millionen von Menschen mitverantwortlich“.

Das Stadtparlament schloss sich dieser durch eine Petition untermauerten Argumentation nicht an. Die Straße wurde nicht umbenannt.

Doch in Berlin kommt nun eine Umbenennung: Wie die „Bild“ berichtet, soll das Bismarck-Zimmer im Auswärtigen Amt in „Saal der Deutschen Einheit“ umbenannt werden. Das Springer-Blatt schreibt dazu empört: „Der Vorgang ist symptomatisch für den Umgang der Grünen mit unserer Geschichte! Wer sich selbst für etwas Besseres hält, stellt sich auch über die eigenen Vorfahren. Passen sie nicht ins eigene Weltbild, sollen auch ihre Spuren in Straßennamen, Denkmälern oder Sitzungssälen verschwinden.“

Die aus dem gleichen Haus stammende „Welt“ urteilt ganz anders: „Weder innen- noch außenpolitisch kann Bismarck als Leitfigur heutiger deutscher Politik gelten, und es ist nicht einsehbar, warum ein Tagungszimmer im Auswärtigen Amt nach ihm benannt wurde. Wäre es sein ehemaliges Arbeitszimmer, könnte man aus Pietät den Namen beibehalten. Das Amt residiert jedoch im Gebäude der ehemaligen Reichsbank, einem 1940 fertiggestellten Nazi-Bau, in dem auch das ZK der SED tagte. Dort wurde 1979 ein Schwenk der Parteilinie beschlossen: Die DDR sollte fortan das ‚progressive‘ Erbe des bis dahin als reaktionär verschrienen Preußens annehmen. (...) Dass nun die Außenministerin der Bismarck-Verehrung in ihrem Amt ein Ende setzt, ist ein überfälliges Symbol.“

Der „Spiegel“ widmet dem Thema eine Kolumne, worin der Autor fragt, „ob es klug ist, ausgerechnet jetzt in der Krise mit Preußen zu brechen. Wo Deutschlands Armee doch eine Renaissance erfährt und (...) Habeck die Bevölkerung auf Selbstdisziplin, Verzicht und Sparsamkeit einschwört. Kalt duschen, kurz heizen, kaum klagen: Sind das nicht sprichwörtlich preußische Tugenden?“ (fab)

Mehr Informationen finden Sie unter www.fr-online.de

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