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Wut auf "die da oben": Auch damit wirbt die AfD um Wählerstimmen.
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Wut auf "die da oben": Auch damit wirbt die AfD um Wählerstimmen.

Politische Skandale

Bürgerwut auf "die da oben"

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Bei Skandalen wird viel auf "die da oben" geschimpft. Vergessen wird dabei: "Die da oben" machen nichts mit uns. "Die "tun" nur, was wir sie machen lassen. Die Kolumne.

Eigentlich ist doch längst jedem klar: „Die“ da oben bescheißen uns! Die Sache hat seit langem System, und sie wird täglich perfektioniert. „Die“ stopfen sich die Taschen voll mit unserem Geld, wir sind ihnen hilflos ausgeliefert. Beispiele dafür kommen doch regelmäßig ans Tageslicht. Neuerdings sind das die Eier. Skrupellos arbeiten „die“ mit verbotenen Insektiziden, die wir dann fressen müssen, nur damit „die“ mehr verdienen.

Oder die Sache mit dem Neymar. 222 Millionen für einen Fußballer! Neulich stand in der Zeitung, dass dieser Scheich mit Beraterhonoraren und Steuern sogar weit über 500 Millionen lockermacht. Fast so viel, wie die Elbphilharmonie gekostet hat. „Die“ machen uns doch unseren Sport kaputt!

„Die“ da oben bescheißen uns!

Oder der Abgasskandal. Jahrelang haben „die“ uns betrogen! Haben falsche Messwerte angegeben und ihre Software manipuliert. Das ist doch kriminell! Und was machen „die“ Politiker? Nichts. Veranstalten mit viel Tam-Tam einen „Dieselgipfel“, bei dem sie die Verbrecher hätscheln und tätscheln. „Die“ stecken doch alle unter einer Decke.

Drei Beispiele von vielen, die den Bürger in Rage bringen. Da wird geschimpft und geschimpft und geschimpft, und der Unmut über „die“ da oben, die angeblich den kleinen Mann immer mehr verarschen, gedeiht immer mehr.

Gleichzeitig wächst die vermeintliche Hilflosigkeit, wird zur fatalistischen Starre und mündet schließlich bei vielen in der Zuwendung zur AfD oder sonstigen Maulhelden. Gleichzeitig aber zeigt „der Bürger“ eine erstaunliche Konsequenz im inkonsequenten Handeln. Dein Nachbar, das seltsame Wesen.

AfD erhält dadurch Zuwendung

So rennen nun alle hordenweise in die Bioläden, tapern dort wie Außerirdische herum auf der Suche nach den Eierregalen und kaufen die dann mal eben ratzeputz leer. Sobald aber in einigen Wochen nichts mehr über den „Eierskandal“ berichtet wird, kehren sie wieder zurück zu ihrem Discounter und tun dort so, als wäre nichts gewesen. Stopfen wieder die billigen Eier der geschundenen Massenzuchthühner in sich hinein, und „die“ da oben sind ihnen wieder egal – wenigstens bis zum nächsten Skandal.

Und der „Neymar-Skandal“? Da werden die Fußballmanager abends am Stammtisch zum Teufel gewünscht, da werden es mit jedem Bier 1000 Krankenschwestern mehr, die man mit den Kosten des Deals ein Jahr lang beschäftigen könnte – tags drauf aber geht’s zum Fan-Shop, denn die neuen Trikots des Lieblingsvereins sind da.

Der Bürger jüngeren Datums tapert vielleicht nachts noch in die City und stellt sich in die Schlange vor einen „Store“, weil dort ab neun Uhr morgens die limitierte Sonderedition eines US-amerikanischen Turnschlappens verkloppt wird – zu Mondpreisen, versteht sich.

Und der „Diesel-Skandal? Wer war es denn, der jahrzehntelang immer größere und schnellere Autos wollte? Wem war denn der Ausstoß an Schadstoffen und eigentlich auch der Verbrauch an Kraftstoff so egal wie dem Pariser Scheich das Financial Fairplay? Mal ehrlich: Das Rumgeheule ging doch erst los, nachdem nun Fahrverbote drohen.

Fazit: „Die da oben“ machen nichts mit uns. Alles, was uns geschieht, machen wir selbst mit uns. Und „die“ tun nur, was wir ihnen vorgeben und was wir sie machen lassen. Ohne unser Zutun wären die gar nichts. Die von der AfD übrigens auch nicht.

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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