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Ausgetrocknetes Flussbett der Schwarzen Elster in Brandenburg.

Hitze

Brutale Hitze wird künftig der Normalfall

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Wie heiß und trocken muss es noch werden, damit die Politik endlich umsteuert und den Sommern der Zukunft mit Konzepten begegnet? Der Leitartikel.

Ein Traum-Sommer. Um ein Wetter zu erleben, wie es in Deutschland seit Wochen herrscht, fliegt man sonst nach Spanien oder Tunesien und gibt dafür viel Geld aus. 30 Grad oder mehr, kaum ein Wölkchen am Himmel, alles knochentrocken. Für einen Teil von uns, vor allem die jungen Leute, ist es eine Zeit, die sich gut genießen lässt – Schwimmbad, Eisdiele, Biergarten. Das in Deutschland sonst oft vermisste intensive Sommer-Feeling sei auch jedem gegönnt, dessen gute körperliche Konstitution ihn die negativen Begleiterscheinungen der Gluthitze tagsüber wegstecken lässt.

Nur sollten aber weder Sommer-Euphorie noch der potenzielle Hitzekollaps anderer Zeitgenossen dazu führen, dass das Nachdenken ausgeschaltet wird. Natürlich kann der „Jahrhundertsommer 2018“, der Deutschland eine rekordverdächtige Trockenheit, gewaltige Ernteschäden und viele andere ökonomische Verluste bringt, eine Laune der Natur sein.

Es hat in der Geschichte immer wieder einmal solche Extremereignisse gegeben, sogar noch schlimmere – wie das legendäre Jahr 1540, als Europa die Dürre des Jahrtausends erlebte, Ernten ausfielen, Flüsse austrockneten, das Vieh krepierte und Martin Luther sich darob in den Suff rettete. Trotzdem wäre es fatal, wenn die AfD-Interpretation des 2018-Wetters Schule machte. So sei er eben, der Sommer, ließ der Chef der deutschen Klimaleugner-Partei, Jörg Meuthen, wissen. Wenn es so wäre, dann wäre die Diskussion beendet. Ist sie aber nicht.

Wie es aussieht, bringt 2018 Europa schon den zweiten „Jahrhundertsommer“ nach 2003 – im Schnitt zwar nicht ganz so heiß wie damals, aber noch trockener. Kann immer noch Zufall sein, doch neueste Forschungen zeigen, dass der menschengemachte Klimawandel die jüngste Hitzewelle über Europa doppelt so wahrscheinlich gemacht hat wie in eine Welt ohne CO2-Aufladung. Auch andere Fakten verdeutlichen, dass sich die Klima-Situation global zuspitzt. Neun der zehn wärmsten Jahre seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen 1881 wurden in unserem Jahrhundert gemessen, und die letzten vier seit 2014 liegen alle ganz vorne.

Die Folge ist unübersehbar: Die Zahl der Wetterextreme hat weltweit zugenommen, Hitzespitzen, Dürren und Überflutungen sind häufiger geworden. Hinzu kommt, dass sich offenbar sogar großräumige meteorologische Muster wie der Jetstream – das Höhenwind-Band in der Atmosphäre – verändern, die das Wetter bestimmen. Es gibt mehr „stehende“ Wettergebiete, der Wechsel zwischen Hoch- und Tiefdruckzonen verläuft langsamer. Der zuletzt sehr schwache Jetstream führte dazu, dass die für Deutschland und Mitteleuropa sonst typische Westwetterlage blockiert ist, die sonst die Tiefs bringt. Das war und ist einer der Auslöser für den „Supersommer“ 2018.

Und das macht klar: Was wir jetzt erleben, ist nur ein Vorgeschmack auf das, was Deutschland und dem Rest der Welt längerfristig bevorsteht. „Jahrhundertsommer“ werden häufiger werden, und sie können an Intensität auch noch deutlich zulegen. Die globale Mitteltemperatur hat seit der Industrialisierung ja erst um rund ein Grad zugenommen (in Deutschland: 1,4 Grad), das Drei- bis Vierfache davon droht bis 2100, wenn die derzeitige Klimapolitik nicht drastisch verschärft wird. Doch selbst wenn die Weltgemeinschaft es tatsächlich schafft, das im Paris-Klimavertrag angepeilte Limit von 1,5 bis zwei Grad plus zu halten, werden die Schäden an Leib und Ökonomie drastisch höher sein als heute, und zwar nicht nur in einigen ohnehin hitzegestressten afrikanischen Ländern, sondern auch hierzulande. Derweil steigen die globalen Emissionen weiter.

Was kann die Politiker wachrütteln, wenn nicht dieser Sommer? Verblüfft muss man konstatieren: Der Klimaweltmeister a. D. Deutschland, der sein CO2-Ziel für 2020 bereits versenkt hat, gedenkt offenbar nicht, zurück in die Spur zu kommen. Das Megathema spielt in der politischen Debatte, außer bei den Grünen, und auch da verhalten, kaum eine Rolle. Das kann nicht allein der Sommerpause geschuldet sein, da andere Themen wie die Flüchtlinge oder die neue Dienstpflicht munter durchs politische Dorf getrieben werden.

Vielmehr scheint die Gefahr der heraufziehenden Klimakrise jenseits der Sonntagsreden immer noch nicht begriffen zu werden. Wie anders ist zu erklären, dass ein SPD-Vizekanzler Scholz einer SPD-Umweltministerin Schulze in die Parade fährt, weil sie strikte CO2-Grenzwerte für den Autoverkehr im nächsten Jahrzehnt befürwortet? Und wie, dass vom (Innen- und) Bauminister Seehofer nichts dazu zu hören ist, wie die Gebäude und Infrastrukturen in den Städten angesichts drohender Hitzewellen und Mega-Wolkenbrüchen widerstandsfähiger gemacht werden sollen?

Noch ist Zeit umzusteuern, aber sie wird immer knapper. Neben einer Reanimation der Klimapolitik braucht es vor allem wirksame Strategien für die Anpassung an die schon nicht mehr zu verhindernden Klimaveränderungen. Der Jahrhundertsommer hat das doppelte Versagen offengelegt.

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