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Der ohne Arme geborene Hornist Felix Klieser spielt bei der Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag das Stück "Todeserfahrung" von Norbert von Hannenheim. Links sitzen die Vertreter der Verfassungsorgane, Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundespräsident Joachim Gauck und Bundesratspräsidentin Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz (v.l.n.r.).

Gedenktag

Brüchige Akzeptanz

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Der Gedenktag an die NS-Opfer darf nicht in Pathos verharren. Ein Kommentar.

Den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, der jedes Jahr am 27. Januar im deutschen Bundestag begangen wird, gibt es erst seit 1996. Den Rahmen, den der Deutsche Bundestag diesem Gedenktag seither gibt, ist angemessen zurückhaltend.

Im Mittelpunkt steht das gesprochene Wort, dem immer wieder aufs Neue die Aufgabe aufgebürdet wird, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachzuhalten. Dabei ist es durchaus paradox, dass das Gebot der Erinnerung und die Mahnung, nicht zu vergessen, in Gestalt eines staatlichen Auftrags daherkommen. Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist zur Staatsräson geworden. Es gehört zur bemerkenswerten Entwicklung der Nachkriegsgeschichte, dass es nicht von oben verordnet werden muss, sondern weithin gesellschaftliche Akzeptanz genießt.

Aber diese Akzeptanz ist brüchig. Es drängen denunziatorische Kräfte in den gesellschaftspolitischen Raum, die weitgehend ungestraft damit kokettieren, das Holocaust-Gedenken als dämliche Bewältigungskultur zu bezeichnen. Das ist schwer zu ertragen. Die stärkste Antwort darauf muss eine Erinnerungskultur sein, die es nicht dabei bewenden lässt, in den Pathosformeln gesellschaftlicher Selbstverständigung zu verharren.

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