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Es gibt keine Hoffnung, dass Johnson & Co. plötzlich demokratischen Anstand entwickeln.

Brexit-Achterbahn

Britische Abgeordnete beleben die „Mutter der Demokratie“ neu

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Das britische Parlament hat und Premier Johnson berechtigterweise in die Schranken gewiesen. Der Kommentar.

Wer den Dienstagabend auf irgendeinem Online-Videokanal verbrachte und Stunde um Stunde der Unterhaus-Debatte über die Regierung Johnson und deren Brexit-Machenschaften verfolgte, der konnte sagen: Ich habe Demokratie live gesehen.

Ein Parlament, von dem man nichts mehr als schäbige Operettenstaaten-Karikaturen erwartete, zeigte sich in rhetorischer Bestform – und als Bonbon gab es noch die unfassbar gesittete „Britishness“ von Westminster: „Das ehrenwerte Mitglied...“, „meine ehrenwerte Kollegin...“, „mein ehrenwerter Freund...“ Im Bundestag fände man das lächerlich. Dienstagnacht war das großartig.

Wie das Unterhaus in das Brexit-Chaos zumindest sprachliche Ordnung brachte, wie die Abgeordneten die Würde der „Mutter der Demokratie“ wiederbelebten, wie sie Johnson und seine Troupiers demaskierten, das hatte eine Art.

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Wohlgemerkt: Das ist nach mehr als drei Jahren Brexit-Achterbahn wenig genug. Die Kapriolen sind auch noch nicht beendet. Es gibt zudem keine Garantie, dass alles gut ausgehen wird – und es gibt nicht mal ein Quentchen Hoffnung, dass Johnson & Co. plötzlich demokratischen Anstand entwickeln. Aber Bange machen gilt nicht. Jetzt gilt es, fest zum guten großen Britannien zu stehen.

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