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Johnsons Pfeifenträume sind die von englischem Glück und englischer Größe.

Kommentar

Brexit ins Nichts

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Der britische Premier Johnson hat bei den Brexit-Verhandlungen das Schwarze-Peter-Spiel begonnen und der EU die Schuld gegeben, falls die Gespräche scheitern. Ein Kommentar.

Nun wissen es endlich alle: Europa war, ist und wird immer an allem schuld sein. So hat es Boris Johnson seinen begeisterten Torys bei deren Parteitag eingebleut. Was ein Volkstribun so redet, stimmt eben immer.

Und was hat der Tribun dem Volk an dessen statt zu bieten? „Pipe dreams“, würde der Brite sagen – „Träume sind Schäume“. Johnsons Pfeifenträume sind die von englischem Glück und englischer Größe, als Europa einen unüberwindlichen Ärmelkanal entfernt lag und nur aus lächerlichen Franzosen und verhassten Westdeutschen bestand.

Bis das Vereinigte Königreich 1974 der Europäischen Gemeinschaft per Referendum beitrat – Pardon, es muss natürlich heißen: bis die Engländer (Schotten, Nordiren und Waliser haben noch nie gezählt) von betrügerischen Kontinentalen nach Brüssel gelockt wurden.

Aber Tribun Johnson wird England retten. Dass er in seinem innersten Kreis dubiose Geschäftemacher hält, die sich am britischen Tafelsilber schadlos halten? Dass er auf Gesetze pfeift? Dass er Eliten, die keine sind (das Parlament), als solche diffamiert? Geschenkt. Die Engländer wollen dem „pied piper“ („Rattenfänger“) Johnson folgen. Wohin? Dorthin, wo er vorgibt, die EU-Mitgliedschaft führe: auf „eine Brücke nach Nirgendwo“. 

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