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Unmengen brauner Algen schwimmen vor dem Strand in der viel besuchten Region von Yucatan.

Ökologisches Desaster

Ein brauner Algenteppich gefährdet die Tropen

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Die Forschungen zu den weitreichenden negativen Folgen des Massenwachstums der Algen laufen gerade erst an. Klar zutage treten schon jetzt die wirtschaftlichen Auswirkungen.

Ganz schnell ist er wieder verschwunden, der riesige braune Algenteppich. Nicht aus dem Atlantik, da wabert er weiter, aber aus den Schlagzeilen der Medien. Er beherrschte die Titelseiten nur wenige Tage, als Forscher die neuesten Erkenntnisse zu seinen Ausmaßen vorlegten. Über eine Länge von fast 9000 Kilometern hat er sich von Mexiko bis Westafrika ausgebreitet.

Algenteppiche sind nichts Neues. Schon die frühen Seefahrer begegneten ihnen auf ihren Fahrten zwischen Europa und Amerika. Spätestens seit Columbus vor über 500 Jahren von ihnen berichtete, sind sie bekannt.

Sie bilden an der Meeresoberfläche treibende Pflanzeninseln und sind wichtige Ökosysteme inmitten der Sargasso-See. Es sind wunderbare Lebensräume für Kleinstlebewesen und Fische, Nahrungsplätze für Seevögel und sie bieten ausgezeichnete Verstecke für junge Meeresschildkröten, die hier Schutz vor Beutegreifern finden. Eigentlich.

Der Algenteppich ist viel größer als je zuvor

Seit 2011 aber vermehrt sich der Tang rapide und der Teppich ist seitdem viel größer geworden als je zuvor. Dass selbst erwachsene Meeresschildkröten sich in seinem Dickicht verheddern können und ertrinken, erscheint da noch als kleinstes Übel. Die Forschungen zu den weitreichenden negativen Folgen des Massenwachstums laufen gerade erst an. Klar zutage treten dagegen schon jetzt die wirtschaftlichen Auswirkungen. Tangberge blockieren die schönsten Strände der mexikanischen Ostküste und vieler karibischer Inseln und verströmen bei ihrer Zersetzung üble Gerüche.

An den (einstigen) Traumstränden des weltmännisch als DomRep bezeichneten Ferienparadieses und der Halbinsel Yucatán und in anderen betroffenen Ferienparadiesen versuchen Hoteliers und Katastrophenhelfer der stinkenden Pflanzenmasse Herr zu werden. Inzwischen müssten sie Berge versetzen können, damit ihnen das gelingt. Längst reichen schnelle Säuberungsaktionen vor dem morgendlichen Ansturm sonnenhungriger Badegäste nicht mehr aus. Gleichermaßen teuer wie verzweifelt ausgebrachte schwimmende Barrieren werden von den verrottenden Massen einfach überschwemmt.

Man könnte sagen, jetzt schlägt die Natur zurück. Dort wo der Massentourismus seine schönsten Ziele nicht schon selbst zerstört hat, erledigen das Algen.

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Man fragt sich: Warum das plötzlich, was beflügelt solche Massenvermehrung? Antwort: Gestiegene Wassertemperaturen und ein üppigeres Angebot an Nährstoffen! Durch die Entwaldung Amazoniens wird immer mehr Boden ins Meer gespült, zudem reichlich Düngemittel aus der Landwirtschaft. Das ist ein guter Mix, den Tang zum Wachsen und Blühen zu bringen. Und zur Verwesung. Und wer treibt Klimaerwärmung und Abholzungen voran?

Der Mensch spielt beim Wachstum des Algenteppichs die führende Rolle

Da bleibt nicht viel Interpretationsspielraum, wer die führende Rolle beim Wachstum des braunen Algenteppichs spielt. Es sind wir selbst, mit dem Chemieeinsatz in der Agrarindustrie, mit rücksichtslosem Holzeinschlag, mit unserem laxen Umgang mit der Erderwärmung und vielen anderen Unüberlegtheiten, wie dem Verzehr von Massenvieh, das mit Soja gefüttert wird.

So bleibt kaum Zweifel, dass wir über ein paar Umwege ein wunderbares Meeres-Ökosystem im Tropengürtel zwischen Amerika und Afrika in ein ökologisches und wirtschaftliches Desaster verwandelt haben. Das war so nicht vorhersehbar und nicht beabsichtigt. Die Warnsignale sind nicht mehr zu übersehen.

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