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Carles Puigdemont.

Katalonien

Der Brandstifter als Biedermann

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Carles Puigdemont führte Katalonien in die Krise. Möglichkeiten zur Umkehr hätte es ausreichend gegeben. Der FR-Kommentar.

Wer am Samstagnachmittag Carles Puigdemont zuhörte, wollte ihm zurufen: Du hast deinen Spaß gehabt! Jetzt komm mal wieder runter! Aber der gerade abgesetzte Ministerpräsident Kataloniens hat für solche Zurufe kein Ohr. Er will noch immer weiter für die katalanische Republik kämpfen. Auf friedliche und zivilisierte Weise, sagte er bei seiner Fernsehansprache am Samstag. Er weiß selber, dass das unmöglich ist. Es sei denn, er glaubte mittlerweile seinen eigenen Versprechungen. Er wäre nicht der erste Politiker, der in diese Falle tappt.

Puigdemont ist ein gefährlicher Agitator, einer dieser Brandstifter, die sich als Biedermann geben. Seit er Anfang vergangenen Jahres eher zufällig und auf Druck der linksradikalen CUP das Amt des katalanischen Ministerpräsidenten übernahm, hat er seine ganze Energie darauf verwendet, sein geliebtes Katalonien dem Abgrund entgegen zu führen. Er ist diesen Weg  nicht allein gegangen, andere nicht weniger unverantwortliche Politiker haben ihn begleitet und vorangedrängt. Aber er lief an der Spitze der Bewegung.

Unternehmen ergreifen die Flucht

Puigdemont hätte viele Möglichkeiten gehabt, den Zug, den er anführte, zu stoppen. Spätestens nach der Referendumsparodie am 1. Oktober musste er sehen, was er seinem Land antat. An die 1700 katalanische Unternehmen haben im Laufe dieses Monats ihren Firmensitz in andere Regionen Spaniens verlegt, was zunächst mal vor allem eine Warnung ist: Je länger das Theater andauert, umso mehr dieser Firmen werden Katalonien definitiv den Rücken zukehren, mit ihren Büros und Produktionsstätten. Und Puigdemont musste sehen, dass er keinerlei internationalen Rückhalt erhielt.

Trotz allem rang er sich nicht zu Neuwahlen durch, die allen Beteiligten eine Atempause verschafft hätten. Stattdessen stimmte er am Freitag gemeinsam mit der separatistischen Mehrheit im katalanischen Regionalparlament für die Ausrufung der Republik. Und als ihn die spanische Regierung deswegen am Freitagabend absetzte, fiel ihm am nächsten Tag nichts anderes ein, als seine Landsleute zum zivilen Ungehorsam aufzurufen. Im besten Falle wird sein Aufruf ungehört verhallen. Im schlimmeren Fall wird aus dem zivilen ein unfriedlicher Ungehorsam. Die Verantwortung dafür wird für immer auf den Schultern Puigdemonts lasten.

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