Yildirims Auftritt macht deutlich, vor welchen Herausforderungen multiethnische Staaten stehen.
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Yildirims Auftritt macht deutlich, vor welchen Herausforderungen multiethnische Staaten stehen.

Türkei

Bizarres Schauspiel von Yildirim

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
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Der Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten in Oberhausen war ein bizarres Schauspiel. Und ein Beispiel für die Vergiftung mit nationaler Selbstherrlichkeit. Ein Kommentar.

Was macht eigentlich Ahmet Davutoglu? Der Politiker war bis 2016 Vorsitzender der türkischen Regierungspartei AKP und Ministerpräsident seines Landes, dann gab er überraschend seinen Rückzug bekannt. Davutoglu, so hieß es, sei mit dem Parteivorstand in Konflikt geraten, weil er das von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan gewollte Präsidialsystem, das diesen mit weitgehenden Machtbefugnissen ausstattet, nicht konsequent genug vorangetrieben habe.

Das besorgt nun sein Nachfolger Binali Yildirim mit der bemerkenswerten Bereitschaft zur völligen Selbstaufgabe. Dabei ist es kurios genug, dass ein Ministerpräsident in einen Wahlkampf eintritt, aus dem er als politische Marionette herausgehen wird. Geradezu bizarr aber ist es, dass dieses Stück vor Tausenden begeistert applaudierenden Zuschauern auf einer deutschen Bühne aufgeführt wird. Verfassungspolitische Ranküne als Auswärtsspiel.

Yildirims Auftritt macht aber auch deutlich, vor welchen Herausforderungen multiethnische Staaten stehen, in deren institutionelle Blutbahnen immer stärker das Gift nationaler Selbstherrlichkeit gedrückt wird. Die Bundesregierung wird lernen müssen, dass man der Indoktrinierung ganzer Bevölkerungsgruppen von außen nicht staunend und unbeteiligt zuschauen kann.

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