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Her mit dem Geld: Weihnachts-Wahnsinn in London.
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Her mit dem Geld: Weihnachts-Wahnsinn in London.

Kolumne

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  • VonKarl-Heinz Karisch
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Die Banken quälen Konsumverweigerer mit Nullzinsen und drohen auch noch mit Minusprozenten. Klar, dass ich die Kohle jetzt raushaue. Oder besser doch nicht?

In diesen Tagen kommen die wahren Tugenden des Menschen, Völlerei und Faulheit, zum Leuchten. Denn gerade in der Weihnachtszeit sollten wir uns der inneren Stimme nach Herzenslust hingeben. Auch ich kann schon stolze zwei Kilo Zugewinn vermelden. Es sind so viele emsige PlätzchenbäckerInnen in meinem Freundeskreis (Danke!), etliche festliche Abendessen kommen hinzu. Die gesunden Gene unserer Vorfahren sind’s, die da zu uns sprechen, beruhige ich mich. Die Helden der Eiszeit wussten noch, was wirklich wichtig ist: ein ordentliches Stück Beutetier erlegen – ob Mammut oder Wildschwein ist nicht so wichtig –, sich vollstopfen und dann erst mal Pause.

Diese Faulheit war verdient, die Jagd mit Steinspitzen an Lanzen oder Pfeilen eine verflixt schwierige und gefährliche Angelegenheit. Ganz so freiwillig wie unsere in der Massenzucht gehaltenen Tiere opferten sich die wilden Vorgänger nicht.

Doch schon bald setzten Ackerbau und die ersten Städte dem lasterhaften Müßiggang ein Ende. Und mit dem Aufkommen der Hochkulturen meldeten sich auch schon die Neunmalklugen (ich weiß was!) und verkündeten, dass ungezügelter Lustgewinn in Verweichlichung und Trägheit enden werde. Schlimm.

Klar, dass ich die Kohle jetzt raushaue

Wenn doch diese Propheten des Triebaufschubs auch nur im Ansatz geahnt hätten, welchen Komfort unsere moderne Industriegesellschaft bereithält. Wer in diesen Tagen alle Wünsche sofort realisiert, der macht sich um uns alle verdient und beglückt den Verband der Einzelhändler. Erst wenn der den Daumen nach oben schiebt, können wir kurz Luft holen, Konsum ist angeschoben. Bei den niedrigen Zinsen ist das selbst für jene, die ohne ein paar Millionen auf dem Konto überwintern müssen, ganz easy. Wunschkredite allerorten und sofort.

Auf die Pauke hauen und nicht knausern, das Geld ist bald futsch: Die Banken quälen Konsumverweigerer mit Nullzinsen und drohen jetzt auch noch mit Minusprozenten. Klar, dass ich die Kohle jetzt raushaue. Oder? Wer lässt schon sein Geld untätig auf dem Konto liegen? Einer netten älteren Dame aus meinem Bekanntenkreis hatte ihr Bankberater mit unzähligen Fonds, die er stets fleißig umschichtete, schon fast die Hälfte ihrer Ersparnisse vernichtet. Nach zahllosen schlaflosen Nächten löste sie ihr Depot auf, wechselte mit dem restlichen Geld zur nächsten Bank. Dort wurde sie zum Kauf völlig sicherer Zertifikate der US-Investmentbank Lehman Brothers beschwatzt, ja, das ist auch schon wieder fünf Jahre her, dass der ganze Schmonzes zu Ende war.

Aber Gier und Faulheit sind die alten und taufrisch. Aus der neuesten Untersuchung der Verbraucherzentralen schließe ich, dass viele Bankkunden des Zeitunglesens unkundig sind oder unter Gedächtnisschwund leiden – sie kaufen schon wieder Schrottpapiere in rauen Mengen. Woran sich wieder zeigt, Berater sind gar keine, das sind Verkäufer von Produkten, bei denen meist nur die Banken besonders verdienen. Und wenn der Verkäufer seine Kunden nicht ordentlich berät, zum Wohle des Institutes versteht sich, dann ist er seinen Job bald los. So läuft das.

Tugend ist eben ein schwieriges Feld. Ich jedenfalls habe meinen Beschluss gefasst. Im neuen Jahr kaufe ich mir von meinem Spargroschen einen Gemüsestand. Das freut den Einzelhandel und schreckt meinen Winterspeck.

Karl-Heinz Karisch ist Autor.

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