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Für Bildung ohne Stoppschild

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Studiengebühren in Deutschland? Nein, danke!

Der OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher empfiehlt Deutschland nachgelagerte Studiengebühren. Schleicher argumentiert, bislang zahlten die Facharbeiter für das Studium der Kinder wohlhabender Eltern. Da ist zwar etwas dran – dennoch geht der Vorschlag mit den Studiengebühren das Gerechtigkeitsproblem von der falschen Seite an.

Nur knapp 15 Prozent der Schulabgänger mit Eltern ohne Abitur erreichen in Deutschland ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Ein Professorenkind, so haben es Studien ergeben, hat eine mehr als drei Mal so große Chance eine Empfehlung für das Gymnasium zu bekommen wie ein Facharbeiterkind – bei gleicher Kompetenz und kognitiven Fähigkeiten.

Es klingt also plausibel, wenn OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher argumentiert, es wäre sozial gerecht, nachgelagerte Studiengebühren zu erheben. Diese müssten erst nach dem Studium bezahlt werden – und zwar erst dann, wenn die Absolventen ein bestimmtes Einkommensniveau erreicht haben. Beim gebührenfreien und aus Steuergeldern finanzierten Studium zahlten dagegen am Ende „die Facharbeiter für das Studium der Kinder wohlhabenderer Eltern“, sagt Schleicher.

Da ist zwar etwas dran. Und doch geht der Vorschlag mit den Studiengebühren das Gerechtigkeitsproblem von der falschen Seite an. Wer will, dass Facharbeiter mit ihren Steuern nicht vor allem das Studium von Akademikerkindern bezahlen, muss für eines sorgen: In Deutschland darf Bildung nicht mehr so eng an die soziale Herkunft gekoppelt sein.

Dafür brauchen wir eine bessere frühkindliche Bildung, eine gute personelle Ausstattung von Brennpunktschulen und mehr individuelle Förderung. Das alles kostet – wie das gebührenfreie Studium – zwar Geld, aber es wäre eine gute Investition. Denn in Zeiten des demografischen Wandels kann Deutschland es sich nicht leisten, junge Menschen nicht optimal zu fördern.

Studiengebühren würden zu einer weiteren sozialen Spaltung in der Bildung beitragen. Denn auch wenn sie nachgelagert sind, würden sie vor allem die abschrecken, die aus ärmeren Familien kommen. Sie würden wie ein Stoppschild wirken, das den Abiturienten aus Nichtakademiker-Familien sagt: Wer es bis hier geschafft hat, geht besser nicht weiter.

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