Türkische Schulen

Bildung nach Erdogans Art

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Türkische Schulen in Deutschland? Darüber auch nur zu verhandeln, ist naiv. Es ist ein Unterschied, ob Demokratien oder Autokraten Auslandsschulen betreiben.

Die Regierung von Recep Tayyip Erdogan will in Deutschland drei türkische Schulen bauen lassen. Die Bundesregierung verhandelt darüber ernsthaft mit Ankara. Das ist an Naivität kaum zu überbieten. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass diese Schulen zu einem Hort der Integration würden, liegt nahe null.

Das Argument, es gebe ja auch drei deutsche Schulen in der Türkei, zieht nur bedingt. Es macht einen Unterschied, ob eine Auslandsschule von demokratischen, offenen Staaten gebaut wird oder von autoritär regierten Ländern. Zwar dürfte der türkische Staat die Schulen nicht direkt betreiben, und eine deutsche Schulaufsicht gäbe es auch. Aber glaubt jemand, dass die Türkei Schulen in Deutschland bauen lässt, um sie dann durch Freigeister leiten zu lassen? Wohl kaum. Assimilation – und damit ein Stück weit auch Integration – ist für Erdogan ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Berlin sollte sich also gut überlegen, ob dieser Geist in „Erdogan-Schulen“ wehen soll.

Gut möglich, dass der türkische Präsident damit droht, die deutschen Schulen in der Türkei zu schließen, sollte er seinen Willen nicht bekommen. Damit würde er aber vor allem seinem eigenen Land schaden. Die Bundesregierung kann also ohne großes Risiko sagen: Danke fürs Angebot, aber kein Interesse. 

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