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Greenpeace protestiert seit Jahren gegen Billigfleisch in Deutschland. Doch geht es um das Schnitzel, sind die Deutschen sensibel (Archivbild).

Mindestpreis für Tierprodukte

Der Kampf ums deutsche Billig-Schnitzel

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Grünen-Chef Robert Habeck fordert einen Mindestpreis für Tierprodukte und löst damit eine heftige Debatte aus. Wenn es um Fleisch geht, ist in Deutschland Schluss mit lustig.

Berlin - Geht es um das Fleisch der Deutschen, versteht das Zentralorgan der Schnitzelesser keinen Spaß: „Grüne wollen unser Fleisch teurer machen“, prangt die Schlagzeile in großen Lettern auf Seite 1 der „Bild“-Zeitung. Was war geschehen?

Grünen-Chef Robert Habeck hatte einen Mindestpreis für Tierprodukte gefordert, der vom Einzelhandel nicht unterschritten werden dürfe. Weiter müsse man durch ein Verbot von Werkverträgen und der Ausweitung der staatlichen Kontrolle den Arbeitsschutz verbessern.

Grünen-Chef Habeck reagiert auf Coronafälle in Schlachthöfen - Forderung nach Mindestpreis für Fleisch

Der aktuelle Vorstoß dürfte auch in den jüngsten Coronafällen begründet liegen, die vermehrt in Schlachthöfen aufgetreten sind. Die Hygiene- und Gesundheitsstandards sollen in den Sammelunterkünften der Arbeiter häufig nicht eingehalten worden sein. Dass Fleisch zu den aktuellen Dumping-Preisen verkauft werden kann, hängt entsprechend kausal mit den „Dumpingbedingungen“ (Habeck) zusammen.

Aber was sind schon verbesserte Arbeitsbedingungen und ein von den Grünen längst gefordertes Tierwohl, wenn es um den Kilopreis beim Fleisch geht? Immerhin isst jeder Deutsche im Schnitt knapp 60 Kilo jährlich. Dieser Berg an totem Tier ist vor allem deshalb so einfach finanzierbar, weil die Erzeuger für ein Kilo Schwein gerade einmal 1,92 Euro kassieren. Das entspricht in etwa dem Laden-Preis von zwei Packungen Gummibärchen.

„Bild“ und die bange Frage nach dem Schnitzelpreis: Mindestpreis für Fleisch?

„Was sich verändert hat, sind die Fleischpreise – sie sind gestiegen!“, heißt es im Springer-Blatt in gefetteter Hervorhebung auf Seite 2. Immerhin hatte es 2011 das Kilo vom Schlachthof noch für 1,46 Euro gegeben. Mit der bangen Frage, ob demnächst ein „Mindestpreis für Schnitzel“ eingeführt werde, dürfte der Leser nun vollends wuschig gemacht worden sein.

Aber das könnte diesen grünen Ökodiktatoren so passen, die die Deutschen ja bereits, Sie erinnern sich, einmal in der Woche zu einem vegetarischen Kantine-Tag nötigen wollten. Beziehungsweise eigentlich wollten sie nur den hohen Fleischverbrauch problematisieren, da dieser nicht nur gesundheitliche Risiken berge: „Er erzwingt auch eine Massentierhaltung, die auf Mensch, Tiere und Umwelt keine Rücksicht nimmt. Deshalb fordern wir mehr Verbraucheraufklärung zu den gesundheitlichen, sozialen und ökologischen Folgen des Fleischkonsums. Öffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktionen übernehmen. Angebote von vegetarischen und veganen Gerichten und ein ‚Veggie Day‘ sollen zum Standard werden“, hieß es 2013 im Grünen-Wahlprogramm. 

„Bild“ kämpft für das Recht auf Billigschnitzel - und gegen Mindestpreise für Fleisch

Die „Bild“ hatte seinerzeit „Die Grünen wollen uns das Fleisch verbieten!“ getitelt und damit die komplette Leserschaft in helle Aufregung versetzt. „Uns“, also allen Lesern und der kompletten Springer-Belegschaft gleichermaßen, hatte das gegolten, auf dass „wir alle“ betroffen seien von den Knebeln der „Verbotspartei“. 

„Bild“ sei Dank hatte sich der Veggie Day nicht durchsetzen können, weshalb jetzt die späte grüne Rache kommt mit einem neuen perfiden Plan. Doch die „Bild“ steht bereits in den Startlöchern, um sich als Kämpfer für das Recht auf Billigschnitzel zu inszenieren. Ihre Leser werden es ihr danken.

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