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Siemens-Chef Joe Kaeser. (Archivbild)

Siemens-Chef Kaeser

Besser spät als gar nicht

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Joe Kaeser fährt nun doch nicht auf die Investorenkonferenz nach Riad. Aber wer im Siemens-Chef aufgrund seiner späten Einsicht den Sündenbock sieht, der macht es sich zu einfach. Ein Kommentar.

Keine 24 Stunden bevor Joe Kaeser auf der Bühne einer Investorenkonferenz in Riad hätte stehen sollen, hat der Siemens-Chef seine Teilnahme doch noch abgesagt. Andere waren schneller. Eine späte und unter öffentlichem Druck erfolgte Entscheidung nach dem mutmaßlichen Foltertod des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi.

Man kann sich ein Urteil über Kaeser aber auch weniger einfach machen. Kaeser musste nach eigenen Angaben wählen zwischen absagen oder hinfahren und den Fall Khashoggi vor Ort kritisieren. Der Mut, seinen Mund vor Ort in Riad aufzumachen, hat Kaeser aber dann doch verlassen.

Wer den Siemens-Boss deshalb nun zuvorderst in die Ecke stellt, sollte aber nicht das Maß an Heuchelei verkennen, mit dem Saudi-Arabien über Jahre hinweg nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in politischer Hinsicht bedacht worden ist. Im Jemen ist das Königreich an einem blutigen Krieg beteiligt. Waffen hat es dennoch mit politischer Billigung auch aus Deutschland erhalten.

Der Tod Khashoggis mag einen Höhepunkt an Barbarei markieren. Wer heute darauf empört reagiert, hätte das aber gegenüber Riad und dem Herrscherhaus schon früher sein können. Kaeser zum Sündenbock zu machen, wäre deshalb zu billig.

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