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Steht wegen Scheinbeschäftigung von Familienangehörigen in der Kritik: Francois Fillon, Präsidentschaftskandidat der französischen Republikaner.

Frankreich

Besser nur dezent unterstützen

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Wer eine französische Präsidentin Marine Le Pen verhindern will, sollte sich mit alternativen Wahlempfehlungen eher zurückhalten. Es könnte den Kandidaten mehr schaden als nutzen. Ein Kommentar.

Die CDU hat erst vor sechs Wochen François Fillon, den Präsidentschaftskandidaten der französischen Konservativen, in Berlin mit großem Pomp empfangen. Damals wiesen ihn die Umfragen noch als Favoriten aus. Kanzlerin Angela Merkel nahm sich Zeit für ihn.

Inzwischen haftet Fillon wegen der mutmaßlichen Scheinbeschäftigung von Familienangehörigen auf Staatskosten der Ruf eines Raffkes an. Die Justiz interessiert sich für ihn. In der Führungsriege der französischen Konservativen scheint niemand mehr zu glauben, dass es Fillon bei der Wahl in die zweite Runde schafft. Es geht nur noch darum, wie er würdevoll aus der Situation herauskommt, ohne noch größeren Schaden anzurichten. Ein Ersatz-Kandidat ist nicht in Sicht: Am Montag bekräftigte Alain Juppé, der angesehene Bürgermeister von Bordeaux, er stehe nicht zur Verfügung.

Bis zur ersten Wahlrunde in Frankreich sind es noch sieben Wochen. Die deutschen Parteien wären klug beraten, sich mit Wahlempfehlungen zurückzuhalten. In der aufgeheizten politischen Lage im Nachbarland könnte das den Bewerbern mehr schaden als nutzen. Merkel will bald den unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron empfangen. Er soll Frankreich auf Reformkurs bringen und vor der rechtsextremen Marine Le Pen bewahren. Das ist jede Unterstützung wert. Nur dezent sollte sie sein.

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