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„Berlin direkt“ im ZDF: Die Linke kann nicht mehr punkten

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Von: Tina Waldeck

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Martin Schirdewan (LINKE) und Morderatorin Shakuntala Banerjee bei „Berlin direkt“.
Martin Schirdewan (LINKE) und Morderatorin Shakuntala Banerjee bei „Berlin direkt“. © Jens-Ulrich Koch/picture alliance/dpa/ZDF

Bei „Berlin direkt“ ist Co-Vorsitzender Der LINKEN, Martin Schirdewan, zu Gast. Der Politiker verurteilt den völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine.

„Mit Ach und Krach“, so hangelt sich DIE LINKE durch den Politikalltag. Bei „Berlin direkt“ (ZDF) spricht Shakuntala Banerjee in der traditionellen Reihe der Sommerinterviews mit deren neugewählten Co-Vorsitzenden Martin Schirdewan. Shakuntala Banerjee begrüßt Martin Schirdewan in Jena, eine von seinen vier „politischen Wirkungsstätten“, denn er hat auch noch Büros in Hannover, Straßburg und Brüssel und lebt selbst in Berlin.

Der Steuerzahler freut sich: Macht er den Parteivorsitz dann „im Nebenjob“, fragt Shakuntala Banerjee lakonisch. Natürlich nicht, denn er will sich „mit ganzer Kraft“ darauf konzentrieren, erklärt Martin Schirdewan, – und trotzdem will er alles andere nicht aufgeben, es bringt ja alles einen Nutzen. Immerhin kann DIE LINKE in Thüringen unter Beweis stellen, was sie „für eine gute Politik macht.“ Nur im Rest von Deutschland sieht es trübe aus, wo es selbst Gregor Gysi auf dem Parteitag eine „existenzielle Krise“ genannt hat.

„Berlin direkt“ (ZDF): Die LINKE kann nicht mehr punkten

Ausgerechnet in Zeiten, wo die Kernthemen dieser Partei doch erfolgreich sein müssten und die Ängste von Armut und Inflation zeitgemäß aktuell sind, – trotzdem kann DIE LINKE nicht mehr punkten. Denn anstatt einer herbeigesehnten Geschlossenheit und den Fokus auf die brennenden politischen Themen kommen „permanente Selbstbeschädigungen“ in und aus den „alten Machtzirkeln“.

Sahra Wagenknecht und ihr Ehemann Oskar Lafontaine spielten in der Vergangenheit bei parteiinternen Streitereien eine entscheidende Rolle: Letzterer hat die Partei mittlerweile verlassen, das eingeleitete Parteiausschlussverfahren gegenüber seiner Frau ist gescheitert. Martin Schirdewan sagte damals: Auch Sahra Wagenknecht ist nur eins von 60.000 Parteimitgliedern – und nicht DIE LINKE.

Sahra Wagenknecht mit Spitze gegen Wissler und Schirdewan

Nachdem auf dem Parteitag das neue Führungsteam mit Janine Wissler und Martin Schirdewan gewählt worden ist, konterte Sahra Wagenknecht gewohnt verkniffen: „Never change a losing team“. Wie kann so eine „gute Zusammenarbeit“, wie es sich Martin Schirdewan wünscht, stattfinden?

Geschlossen „das politische Profil schärfen “Martin Schirdewan möchte sich auf die Entwicklung der Partei konzentrieren, doch es wird schwierig, wenn nicht alle am gleichen Strang ziehen. Immerhin haben sie in den letzten zwei Wochen, – seitdem die neue Parteispitze steht, – mit allen gut zusammen gearbeitet: Aber es geht weiterhin darum, „gemeinsamen Positionen“ auch nach außen zu zeigen und wieder „erkennbarer in der Öffentlichkeit in Erscheinung zu treten“.

„Berlin Direkt“ im ZDF: „Viele wissen nicht mehr, wie sie die Rechnungen bezahlen sollen“

Nicht als einzelne Selbstdarstellungen, sondern als solidarische Gemeinschaft. Die Menschen wollen gerade jetzt eine klare Kommunikation. „Die Gaspreise steigen durch die Decke“, erklärt Martin Schirdewan: Viele wissen jetzt schon nicht mehr, wie sie die Rechnungen bezahlen sollen. Da muss DIE LINKE „der Regierung auf die Füße“ treten, denn deren Politik führt in seinen Augen nicht dazu, dass „die soziale Situation den Menschen gerade verbessert wird.“

Dabei sei es die Pflicht der Bundesregierung, „dafür zu sorgen, dass die negativsten Folgen für die deutsche Gesellschaft verhindert werden.“ Ermahnt hat er auch den „aus der Reihe tanzenden“ Parteikollegen Klaus Ernst, welcher eine vorübergehende Öffnung von Nord Stream 2 ins Gespräch gebracht hatte. Natürlich muss dieser „die Frage nach Energiesicherheit aufwerfen“, – so bezeichnet es Martin Schirdewan gegenüber Shakuntala Banerjee.

Martin Schirdewan verurteilt „völkerwidrigen Angriffskrieg“

Doch die Schlussfolgerung findet er schlicht „falsch“ und andere Lösungen müssen zusammen gesucht werden, damit sie einen „Ausweg aus der Energieabhängigkeit von Russland“ finden. Martin Schirdewan verurteilt den „völkerwidrigen Angriffskrieg“, aber es gibt auch Parteimitglieder, die die Rolle von Russland relativieren, führt Shakuntala Banerjee auf. Auch dies scheint aus Sicht der Parteispitze etwas anders zu sein.

Intern unterstützt DIE LINKE geschlossen Aktionen, die darauf abzielen, „diesen elenden Krieg endlich zu beenden, der unerträglich ist.“ Sein Großvater wurde unter den Nationalsozialisten verfolgt: Von ihm hat er vor allem einen „entschlossenen Antifaschismus gelernt“ und „nie wieder Krieg“ zu fordern. Martin Schirdewan sieht die Gefahr einer „massiven Eskalation des Krieges“, wenn immer weiter Waffen geliefert werden. Da zieht er – im Sinne seiner Partei? – die Grenze von Solidarität. (Tina Waldeck)

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