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Angela Merkel beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Kommentar

Bekenntnis ohne Substanz

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Angela Merkel in Davos: Ein Wohlstandsmodell, das wirtschaftliche Stärke mit spürbarem Nutzen für alle verbindet, hat die Kanzlerin nicht skizziert. Der Kommentar.

Recht hat sie, die Bundeskanzlerin. Vor der irrigen Idee, dass allen in der Welt geholfen wäre, wenn jeder sich selber hilft, kann man nicht oft genug warnen. Natürlich weiß Angela Merkel, dass die Testosteron-Fraktion unter den Staatenlenkern das Bekenntnis zum Multilateralismus nicht gerne hört. Aber gerade deshalb tut sie gut daran, es zu wiederholen.

Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite steht die Frage: Wie soll sie aussehen, die multilaterale Ordnung? Was ist daran attraktiv für die Normalsterblichen? Darauf hat die deutsche Regierungschefin keine Antwort.

Es genügt nicht zuzugeben, dass „der Glaube an einen stabilen internationalen Finanzsektor“ seit der Krise vor zehn Jahren „stark gelitten“ hat. Es genügt nicht, hier Nachholbedarf einzuräumen. Auch das Eingeständnis, dass Deutschland bei der Digitalisierung zu langsam vorankommt, ist von einer Vision für die multilaterale Zukunft weit entfernt.

Ein Wohlstandsmodell, das wirtschaftliche Stärke mit spürbarem Nutzen für alle verbindet, hat die Kanzlerin auch in Davos nicht skizziert. Stattdessen wiederholte sie das Bekenntnis zum „Freihandel“, als sei das Organisieren internationaler Konkurrenz die einzig wahre Antwort auf Trump & Co. Das wird nicht reichen, um den Unilateralisten das Handwerk zu legen.

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