Das Kernkraftwerk in Fessenheim geht vom Netz.
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Das Kernkraftwerk in Fessenheim geht vom Netz.

Atomkraftwerk abgeschaltet

Fessenheim ist Geschichte - aber Frankreichs Energiepolitik bleibt eine Katastrophe

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Das Kernkraftwerk Fessenheim geht endlich vom Netz, und die Menschen im deutschen Südwesten können aufatmen. Aber die Freude ist begrenzt. Der Kommentar.

Fessenheim ist Geschichte. Zumindest die Kernspaltung in dem Ort im Elsass am Oberrhein. Das ist eine gute Nachricht. Denn Frankreich hat endlich sein ältestes AKW stillgelegt – eine Anlage, die mit Pannen Schlagzeilen machte und in einem erdbebengefährdeten Gebiet steht. Die Bevölkerung im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz kann aufatmen.

Viel Hoffnung, Paris werde nun dem deutschen Weg des Atomausstiegs folgen, darf man sich aber nicht machen. Erst voriges Jahr hat die Regierung die Laufzeit von über zwei Dritteln der 58 Reaktoren im Land über die vom Hersteller vorgesehenen 40 Jahre hinaus verlängert. Das Risiko eines Super-GAUs wird damit immens erhöht. Die Franzosen können sich damit zwar über relativ niedrige Strompreise freuen, aber nur so lange, bis in einem der Uraltmeiler ein richtig schwerer Störfall geschieht.

Zukunftsweisend ist diese Politik nicht. Dass neue Reaktoren in größerer Zahl je gebaut werden, ist unwahrscheinlich. Sie sind, siehe das Milliardengrab des Pilotprojekts „EPR“ in Flamanville, zu teuer. Und der billige Atomstrom aus den Altmeilern verstopft das Netz für Ökoenergien, die in Frankreich, anders als hierzulande, nur langsam aus der Nische kommen. Ergo: Der atomare Weg ist eine Sackgasse.

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