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Arme Regionen vom Klimawandel bedroht: Jetzt muss gehandelt werden

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Von: Peter Ruhenstroth-Bauer

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UN-Angaben zufolge besteht in sechs somalischen Regionen die Gefahr einer Hungersnot
UN-Angaben zufolge besteht in sechs somalischen Regionen die Gefahr einer Hungersnot © Farah Abdi Warsameh/picture alliance

Am Weltumwelttag am 5. Juni geht es auch um Klimafolgen für arme Regionen. Jetzt muss gehandelt werden, um weitere Fluchtbewegungen abzuwenden. Der Gastbeitrag.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Umwelttages steht der Klimaschutz. Weltweit beschleunigt sich die Klimakrise, und die Folgen von Untätigkeit werden zunehmend sichtbar. Ökosysteme befinden sich an einem Kipppunkt. Vor allem die Bewohner ärmerer Länder und von Krisengebieten sind gefährdet, unter ihnen sind auch viele Menschen auf der Flucht. Mehr als 80 Prozent der Flüchtlinge, Vertriebenen und Staatenlosen leben in Regionen, die vom Klimawandel bedroht sind und nur geringe Möglichkeiten haben, die Einwohner vor den Auswirkungen zu schützen.

Somalia ist dafür ein besonders drastisches Beispiel. Das ostafrikanische Land erleidet derzeit die schlimmste Dürre seit 40 Jahren, mehr als sechs Millionen Menschen sind von den Folgen betroffen. Fast 800.000 Somalierinnen und Somalier ließen bereits ihre Dörfer hinter sich, um Wasser, Nahrung und brauchbares Weideland zu finden. UN-Angaben zufolge besteht in sechs somalischen Regionen die Gefahr einer Hungersnot. Der Hilfsbedarf ist riesig, doch bislang sind nur 15 Prozent der für die Nothilfe benötigten Gelder angekommen. Die Lage droht sich noch zu verschlimmern, da für die kommende Regenzeit deutlich geringere Niederschläge unter dem Mittelwert erwartet werden. Besonders verheerend ist die Situation für die Jüngsten: Viele Kinder müssen die Schule abbrechen und arbeiten gehen, um ihre Familie zu unterstützen oder sich auf die beschwerliche Suche nach Trinkwasser zu begeben.

Die Lage in afrikanischen Ländern droht sich zu verschärfen

Um den Menschen in Somalia zu helfen, arbeitet das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) eng mit seinen Partnern vor Ort zusammen. Tausende von der Dürre betroffene Familien erhielten Unterkünfte und andere lebenswichtige Hilfsgüter. Allein reisende und von ihren Familien getrennte Kinder werden medizinisch versorgt, erhalten psychosoziale Unterstützung und sichere Rückzugsorte, um sie zum Beispiel vor Zwangsrekrutierung zu schützen.

Zum Autor

Peter Ruhenstroth-Bauer ist Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe, dem deutschen Partner des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR).

Peter Ruhenstroth-Bauer
Peter Ruhenstroth-Bauer. © Jim Rakete

Seit der Unabhängigkeit im Jahr 2011 versucht der Südsudan, seine sozialen, wirtschaftlichen und politischen Probleme zu überwinden. Ein Prozess, der von vielen Rückschlägen begleitet wird. Am weltweiten CO2-Ausstoß ist der Südsudan nur im verschwindenden Maße beteiligt, jedoch unverhältnismäßig stark von dessen Auswirkungen auf das Klima betroffen.

Im vergangenen Jahr verwüsteten die schwersten dokumentierten Überflutungen große Teile des Landes. Mehr als 835.000 Menschen waren von dieser Katastrophe betroffen. Die Lage droht sich jetzt zu verschärfen, weil das Hochwasser nach der letzten Regenzeit nicht signifikant zurückgegangen ist. Der UNHCR warnt daher vor verlängerten Überschwemmungszeiten und -risiken. Jetzt sei sofortiges Handeln überlebenswichtig, um eine Hungerkrise und weitere Fluchtbewegungen abzuwenden. In den überfluteten Gebieten leisten die UNHCR-Helferinnen und Helfer unmittelbare Hilfe und verteilen Plastikplanen, Hacken, Schaufeln, Sandsäcke und vieles mehr, um sich mit Dämmen gegen die Wassermassen zu schützen.

Die Vegetation im Flüchtlingscamp Minawao in Kamerun ist dank der „Great Green Wall“-Initiative zurück

Das Camp Minawao in Kamerun beherbergt rund 70.000 Menschen aus Nigeria, die vor dem Terror der Boko-Haram-Milizen in das Nachbarland flüchteten. Die trockene Region rund um das Camp war bereits deutlich vom Klimawandel betroffen, bevor die Flüchtlinge ankamen, die restlichen Bäume fällten und als Feuerholz verheizten.

Angesichts dieses ökologischen und menschlichen Desasters starteten der UNHCR und die Lutheran World Federation im Jahr 2018 ein einzigartiges Projekt, um der Abholzung in Minawao und den umliegenden Dörfern zu begegnen. Mit großem Erfolg: Mit Unterstützung der Flüchtlinge wurden seitdem bislang fast 400.000 Setzlinge in Baumschulen hochgezogen und auf mehr als 100 Hektar gepflanzt. Die Vegetation ist zurückgekommen.

Das Minawao-Projekt ist Teil der „Great Green Wall“-Initiative, die eine 8000 Kilometer lange grüne Barriere quer durch die Sahel-Zone errichten will, um Wüstenbildung, Umweltzerstörung und Dürre zu bekämpfen. Das Projekt ist auch Teil der UNHCR-Strategie, Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren, die im Zusammenhang mit Flüchtlingscamps stehen. Die UNO-Flüchtlingshilfe steht dabei als deutscher Partner an der Seite des UNHCR und unterstützt dessen weltweite Hilfsprogramme. (Peter Ruhenstroth-Bauer)

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