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Würde die Deutsche Bank die Commerzbank schlucken?

Commerzbank und Deutsche Bank

Bedenken gegen eine Banken-Fusion

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Der Bund sollte seine Beteiligung an der Commerzbank umschichten. Dann könnte auch die Deutsche Bank unterstützt werden. Der Gastbeitrag.

Eine mögliche Fusion von Deutscher Bank (DB) und Commerzbank (Coba) wird seit Jahren diskutiert. Dabei hat man den Eindruck, dass die Spekulationen über einen Zusammenschluss immer dann zunehmen, wenn es den Instituten besonders schlecht geht und die Chancen einer nachhaltigen Gesundung aus eigener Kraft schwinden. 

Trotz vielfältiger Anstrengungen und erheblichen Personalabbaus verharren beide Häuser hinsichtlich Profitabilität und Börsenbewertung in der zweiten Liga, mit weitem Abstand zu europäischen Konkurrenten, von den US-Banken ganz zu schweigen.

Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank keine Lösung

Aber eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank wäre keine Lösung: Zu groß sind die Überlappungen im deutschen Firmen- und Privatkundengeschäft, zu unterschiedlich die Markenkerne und Firmenkulturen. Zwar kann man durch eine Fusion Kosten sparen, vor allem in zentralen Funktionen, in der Abwicklung sowie im Filialbereich, jedoch werden bei großen Fusionen die möglichen Kosteneinsparungen oft überschätzt und die Integrationskosten (vor allem bei der IT) unterschätzt.

Hinzu kommt, dass man bei einem Zusammenschluss von Commerzbank und Deutscher Bank mit Ertragseinbußen rechnen müsste, weil Firmenkunden einen Teil ihres Geschäftes auf andere Banken verlagern würden, um eine zu große Abhängigkeit von einem Institut zu vermeiden. Ähnliches gilt für das Privatkundengeschäft. Viele Privatkunden der Commerzbank würde eine Übernahme durch die Deutsche Bank abschrecken, weil diese sich oftmals bewusst gegen die Deutsche Bank entschieden haben. 

Am Ende einer mehrjährigen Integrationsphase dürfte eine Marke verschwinden (vermutlich die der Commerzbank) und ein Institut entstanden sein, das vielleicht marginal größer, aber keineswegs wettbewerbsfähiger im globalen Kontext wäre, als die beiden Banken heute sind. Das zeigt überdeutlich die kaum als Erfolg zu wertende Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank, die bis heute nicht vollständig verkraftet ist: Wertsteigerung sieht anders aus. 

Tatsache ist aber auch, dass aufgrund der eigenen Schwäche beide Institute Übernahmekandidaten sind. Obwohl eine unfreundliche Übernahme im Finanzsektor nahezu ausgeschlossen ist, benötigen beide Häuser sicher noch Jahre, um sich neu aufzustellen, Altlasten zu bereinigen und die Herausforderungen der Digitalisierung zu bewältigen.

Daher wäre zu überlegen, ob die Bundesregierung ihre derzeitige Beteiligung an der Commerzbank von rund 15 Prozent auf etwa 5 Prozent reduziert und die dadurch frei werdenden Mittel nutzt, sich mit fünf Prozent an der Deutschen Bank zu beteiligen.
Eine solche Umschichtung wäre liquiditätsmäßig für den Bund neutral und würde bei entsprechender Kommunikation Übernahmegerüchten den Wind aus den Segeln nehmen. Frisches Geld dürfte dabei der Deutschen Bank nicht zufließen, um der Vermutung einer unzulässigen staatlichen Beihilfe entgegenzutreten. 

Beteiligung von Cerberus an der Commerzbank

Kritiker einer solchen Lösung werden anführen, dass es nicht Aufgabe des Bundes sei, auf diese Weise Industriepolitik zu betreiben. Außerdem haben die Probleme im Landesbankensektor verdeutlicht, dass die öffentliche Hand sich nicht unbedingt als Eigentümerin einer Bank eignet. Das ist richtig. In diesem Fall besteht aber eine andere Situation: Der Bund besitzt aufgrund der Finanzkrise nun einmal die Beteiligung an der Commerzbank. 

Deutschland verfügt als größte Volkswirtschaft in der EU über kein international konkurrenzfähiges Geldhaus. Es droht perspektivisch gar eine Übernahme beider Banken. Dass an solchen Plänen gearbeitet wird, signalisiert die Beteiligung des Finanzinvestors Cerberus an beiden Banken. Dieser ist nicht als passiver Finanzinvestor bekannt, sondern als Private Equity Investor, für den die Maximierung der Rendite an oberster Stelle steht und qua Geschäftsmodell stehen muss. 

Aufhorchen lässt in diesem Zusammenhang die Ankündigung im Juli, dass die Deutsche Bank bei ihrem Umbau auch die Beratungssparte von Cerberus einsetzen möchte. Natürlich wird man Beratung und Beteiligungsrolle aufseiten von Cerberus strikt trennen. Delikat ist dieses Engagement dennoch, vor allem angesichts der Beteiligung von Cerberus an der Commerzbank.

Aus all diesen Gründen sollte der Bund prüfen, die Beteiligung an der Commerzbank umzuschichten. Beide Unternehmen könnten sich neu aufstellen, um in einem nächsten Schritt Fusionsmöglichkeiten zu prüfen. Aber selbst dann blieben die Bedenken gegen eine innerdeutsche Fusion bestehen. Für beide Banken könnte ein Zusammenschluss mit einem europäischen Partner eine Wachstumsperspektive darstellen, die ohne einen radikalen Personalabbau auskommt.

Volker Brühl ist Professor am Center for Financial Studies an der Goethe-Universität in Frankfurt. 

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