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Mia san mia, sagt man gern in Bayern. Die Bienen gehören dazu.

Kolumne

Mia san vorn

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Das bayerische Volksbegehren für Artenvielfalt kann das Land zum Vorreiter einer echten Agrarwende machen.

Einen schlagkräftigeren Beweis hätte es kaum geben können. Die Bevölkerung in Bayern will mehr Natur- und Artenschutz, das hat sie mit dem Rekordergebnis in der Abstimmung über das Volksbegehren Artenvielfalt dokumentiert.

Mehr ökologische Landwirtschaft, mehr Flächen für Naturschutz, besserer Gewässerschutz und – endlich! – Reduktion des Einsatzes von Pestiziden, all das soll ein neues Gesetz nach den Maßstäben dieses Volksbegehrens bringen. Das wäre gut für Insekten jeglicher Art, Fische und Lurche, Vögel, Wildpflanzen. Es wäre gut für die Böden, die Gewässer und die Menschen.

Dennoch regt sich Widerstand. Vor allem aus Kreisen der Landwirtschaft. Da haben einige Funktionäre wohl wieder einmal etwas nicht verstanden und heizen die Stimmung unter ihren Bauern an. Vor allem haben sie nicht verstanden, dass die Initiatoren und Unterstützer des Volksbegehrens auch aufgezeigt haben, welche große Chancen bessere Regelungen zum Naturschutz für die Bauern mit sich brächten.

Es ist schon richtig, dass die konventionelle Landwirtschaft nicht allein verantwortlich ist für den Artenrückgang. Aber sie ist nach wie vor der Hauptverursacher. In Bayern und bundesweit. Das klar anzusprechen, ist Voraussetzung für das Einleiten der notwendigen großflächigen Umstellungen. Auch zum Beispiel bei Flächenverbrauch und Straßenverkehr müssen dringend umweltverträgliche Lösungen her.

Aber das relativiert nicht die Verantwortung der Landwirtschaft. Und so ist es geradezu grotesk, dass der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Walter Heidl, sich gegen das Volksbegehren wehrt, indem er kleinlich auf Mähroboter und Steinwüsten in Hausgärten als Mitverursacher des Artensterbens verweist. Sein Verband befindet sich im Streit mit dem Öko-Bauernverband Bioland, und der repräsentiert ja auch Bauern, nur eben andere. Und die sind aufseiten des Volksbegehrens und der darin enthaltenen Vorschläge.

Es gleichen sich die Phänomene in Bayern und der gesamten Republik. Die Angst konventioneller Bauern vor Verdiensteinbußen und den finanziellen Lasten von Reformen wird verständlich, wenn man sich die Polemik und Propaganda ihrer Lobbyisten anhört. Die sollten endlich zugeben, dass es viele Möglichkeiten gibt, wie Landwirte anders und dennoch erfolgreich wirtschaften können.

Vertragsnaturschutz, Prämiensysteme, bessere Nutzung der Nachfrage nach ökologisch angebauten Produkten, Stärkung regionaler Vermarktung: Das sind nicht nur Perspektiven, in denen Bauern und Naturschützer gefordert sind, sondern auch und vor allem die Politiker. Denn die setzen die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft. Und sie haben es bisher versäumt, endlich den Druck von den Bauern zu nehmen, der die notwendigen tiefgreifenden Veränderungen in den bisherigen Landbaupraktiken kaum zulässt. So muss man Bauern auch durchaus als Opfer einer längst nicht mehr zeitgemäßen Politik sehen.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat hoffentlich die Zeichen der Zeit verstanden und nutzt den von ihm angekündigten runden Tisch, um den Wandel einzuläuten. Und nicht, um ihn zu verwässern. Mia san mia, sagt man gern in Bayern. Wenn das Volksbegehren umgesetzt wird, könnte man sagen „Mia san vorn“. Andere Bundesländer könnten dann dem schönen bayerischen Vorbild eines wirksamen Natur- und Artenschutzes folgen.

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