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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier präsentiert eine Grafik zum Wirtschaftsjahresbericht.
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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier präsentiert eine Grafik zum Wirtschaftsjahresbericht.

Leitartikel

Ausweg gesucht

  • Andreas Niesmann
    VonAndreas Niesmann
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Die Blitzerholung der Konjunktur ist abgesagt. Der Weg aus der Corona-Krise wird lang und er wird mühsam. Der Leitartikel.

Vor einem halben Jahr etwa, gegen Ende des Sommers, hoffte die Bundesregierung noch, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise schnell vergessen sein würden. Einen Boom hatten die Unternehmen im dritten Quartal hingelegt und einen guten Teil des Einbruchs vom Jahresanfang wettgemacht. Die Infektionszahlen waren niedrig und der Optimismus war groß. Ende 2021 könnte das Vorkrisenniveau schon wieder erreicht sein, lautete eine damals weit verbreitete Hoffnung.

Aus der Traum, muss man aus heutiger Sicht sagen. Die zweite Corona-Welle in Herbst und Winter hat all die schönen Berechnungen und Planspiele zunichte gemacht. Drei Prozent Wirtschaftswachstum erwartet die Bundesregierung in diesem Jahr noch. Das ist zwar mehr als in jedem einzelnen der vergangenen zehn Jahre, aber es ist deutlich weniger als jene fünf Prozent, um die die Wirtschaft im vergangenen Jahr eingebrochen ist. Anders ausgedrückt: Die Blitzerholung ist abgesagt. Der Weg aus der Krise wird lang und er wird mühsam.

Immerhin: Die Substanz der Wirtschaft konnte in ihrem Kern erhalten werden. Vor allem dem produzierenden Gewerbe, wo ein gewaltiger Teil der Wertschöpfung stattfindet, geht es heute besser, als man zu Beginn der Pandemie erwarten durfte. Die Industrie, vor der Krise das Sorgenkind der deutschen Wirtschaft, ist inzwischen ihr Motor.

Das liegt an der rasanten Aufholjagd, die Maschinenbauer, Chemieindustrie und selbst die kriselnden Autokonzerne in der zweiten Jahreshälfte 2020 hingelegt haben. Es liegt aber auch noch daran, dass die Labors, Fabriken und Planungsbüros der Unternehmen vom zweiten Lockdown nicht betroffen waren und sind.

Ein erneutes Abbrechen der Lieferketten wollte die Bundesregierung um jeden Preis verhindern. Der Blick auf die aktuellen Konjunkturzahlen erklärt, warum. Ein zweiter Wirtschaftseinbruch wie im vorigen Frühjahr hätte katastrophale Folgen. Es würde Jahre dauern, bis Deutschland sich davon erholte. All jene, die gerade einen vollständigen Lockdown oder eine „Zero-Covid-Strategie“ fordern, sollten sich diese Zahlen einmal sehr genau zu Gemüte führen.

Die Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft wiegen auch so schwer genug. Gastronomie, Reise, Kultur, Einzelhandel – ganze Branchen fürchten inzwischen um ihre Existenz. Und selbst wenn diese Branchen nicht den größten Teil zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, so hängen an ihnen doch jede Menge Arbeitsplätze – und die Lebensentwürfe von Millionen Bürgerinnen und Bürgern.

Sie alle haben ein Recht darauf, zu wissen, wie es nun für sie weitergeht. Politikerinnen und Politiker in Bund und Ländern müssen eine Antwort finden. Mit dem lapidaren Satz von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, dass jetzt nicht der Zeitpunkt sei, um über Öffnungen und Lockerungen zu sprechen, ist es nicht getan. Im Gegenteil. Gerade jetzt, wo die Aussichten für viele so düster sind, ist genau der richtige Zeitpunkt.

Wohlgemerkt: zu sprechen, nicht sie zu beschließen. Dafür ist die Lage trotz zuletzt sinkender Infektionszahlen zu fragil – zumal niemand seriös vorhersagen kann, wie sich die Virusmutationen aus England und Südafrika auf das Infektionsgeschehen auswirken werden.

Trotzdem muss die Politik einen Weg für die nächsten Monate aufzeigen. Ein Stufenplan für mögliche Öffnungen, wie Schleswig-Holstein ihn vorgelegt hat, ist ein Ansatz. „Wir müssen lernen, auch während einer fortdauernden Pandemie einen Aufschwung zu ermöglichen“, sagte Altmaier am Mittwoch. Der Satz stimmt, und in ihm schwingt eine ganze Menge Hoffnung mit. Hoffnung könnten auch all jene, die immer noch im Lockdown verharren, ziemlich gut gebrauchen.

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