Ein Ende der Buschbrände in Australien ist nicht in Sicht. 
+
Ein Ende der Buschbrände in Australien ist nicht in Sicht. 

Australien

Wie viel Australien muss noch abbrennen, bis Morrison zur Vernunft kommt?

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
    schließen

Die Brandkatastrophe hat in Australien nicht für ein Umdenken gesorgt. Zu einflussreich ist die Kohlelobby – mit dem Regierungschef Morrison an der Spitze. 

„Selbstverbrennung“. So hat Deutschlands bekanntester Klimaforscher, Hans-Joachim Schellnhuber, das Buch betitelt, in dem er unter anderem die Bilanz von 30 Jahren nahezu wirkungsloser globaler Klimapolitik zieht. Er warnt: Das hemmungslose Verbrennen fossiler Energieträger kann langfristig in den Wärmetod der menschlichen Zivilisation führen, wenn es nicht schleunigst gestoppt wird.

Menschen kämpfen gegen Buschbrände in Australien

Das ist starker Tobak. Doch wer das seit Monaten andauernde Feuerinferno von Australien vor Augen geführt bekommt und erleben muss, wie die Regierung von Scott Morrison darauf reagiert, fühlt sich an solche Prognosen erinnert.

Für die Menschen vor Ort ist es die Apokalypse. Flammen lodern vor orangerotem Himmel, Rauchschwaden verdunkeln den Tag, die Luft taugt kaum zum Atmen. Tausende Australier waren und sind auf der Flucht vor den Bränden, mehr als 10 000 Feuerwehrleute sowie nun auch Reservisten der Armee kämpfen verzweifelt gegen die Flammenwände und können doch nicht verhindern, dass ganze Gemeinden abbrennen. Eine Fläche von der Größe der Niederlande liegt inzwischen in Schutt und Asche. Mindestens zwei Dutzend Menschen sind gestorben, Hunderte Millionen Tiere sind tot.

Notstand in Australien

Mehrere Bundesstaaten haben den Notstand ausgerufen, viele Kilometer Küsten sind zu Verbotszonen für Touristen erklärt worden. Und in der Millionenmetropole Sydney wurde am Wochenende ein neuer Temperaturrekord von fast 50 Grad erreicht.

In Australien hat es schon immer Buschbrände gegeben. Doch so schlimm wie diesmal war es noch nie. Das muss inzwischen selbst die Regierung des Konservativen Morrison zugeben, in der Klimaskeptiker wichtige Posten besetzen.

Wie wenig ernst der Premier die Katastrophe nahm, demonstrierte er durch seinen zuerst geheim gehaltenen Urlaubstrip nach Hawaii vor Weihnachten, als die Lage in den Brandregionen eskalierte. Den Urlaub brach Morrison dann zwar ab und entschuldigte sich öffentlich. Doch er machte auch klar: Seine Regierung wird an ihrer Klimapolitik nichts ändern.

Australien spürt die Klimaveränderungen

Das ist Wahnsinn. In den Brandregionen geschieht genau das, was Wissenschaftler seit langem vorhersagen. Australien ist das Industrieland, das am heftigsten unter den Klimaveränderungen leidet. In den Feuergebieten haben langjährige Dürren und steigende Temperaturen den Boden für die aktuelle Katastrophe gelegt. Das wirkt, zusammen mit starken Winden, wie Brandbeschleuniger. Doch Australien verzeichnet auch vermehrt sintflutartige Regenfälle und Überschwemmungen, und hart getroffen wird auch das Weltnaturerbe des Great Barrier Reef, das wegen steigender Meerestemperaturen zugrunde zu gehen droht.

Das alles beeindruckt Morrison offenbar nicht, der sogar schon mit einem Brocken Kohle im Parlament erschienen ist, um für das „schwarze Gold“ Australiens zu werben und seine Kritiker lächerlich zu machen. Der Einfluss der fossilen Lobby auf die Regierung beim weltgrößten Kohleexporteur ist ehern.

Kein Umdenken in Australien

Es geht um Milliardenumsatze und Zehntausende Jobs. Die sollen unter keinen Umständen gefährdet werden, obwohl eine forcierte Umstellung auf Solar- und Windenergie gerade im sonnen- und windreichen Australien mehr Arbeitsplätze generieren könnte, als in den fossilen Industrien wegfallen würden.

Die alte Linie gilt weiter, obwohl Australien mit seinen nur 25 Millionen Einwohnern für rund fünf Prozent der globalen CO2-Frachten verantwortlich ist, wenn man die Emissionen der exportierten Kohle mitrechnet, und beim Pro-Kopf-Ausstoß weltweit einen der unrühmlichen Spitzenplätze einnimmt. Jüngst erst ist im Bundestaat Queensland die weltgrößte Kohlemine neu eröffnet worden, die noch Jahrzehnte laufen soll.

Australien Nr. 1 in Sachen Kohleexport

Das Ziel ist klar: Australien will die globale Nummer eins unter den Kohleexportländern bleiben. Wenn dabei ein Teil des Landes abgefackelt wird – so what? Andere Generationen seien ebenfalls mit „Naturkatastrophen, Überschwemmungen, Bränden, globalen Konflikten, Krankheiten und Dürre“ fertiggeworden, befand Morrison in seiner Neujahrsansprache. „Das ist der Geist der Australier.“ Den Zusammenhang der Feuerstürme mit dem Klimawandel erwähnte er nicht.

Die Frage ist, wie lange die Regierung in Canberra diese Strategie des Wegduckens noch durchhalten kann. Zu Deutsch: Wie viel von Australien noch abbrennen muss, bis Morrison & Co. zur Vernunft kommen.

Bereits bei der Parlamentswahl im letzten Jahr spielte das Thema Klimawandel eine wichtige Rolle, Morrison gewann nur knapp, und inzwischen, nach Monaten im Feuersturm, spricht sich eine deutliche Mehrheit der Bürger für mehr Klimaschutz aus.

Diese Mehrheit wird man nicht dauerhaft als „Verrückte, die in den Innenstädten leben“, abkanzeln können, wie es ein Minister tat. Eng wird es für Morrison werden, wenn die skeptische Haltung zum Klimawandel, die bisher besonders in der ländlichen Bevölkerung und unter den Arbeitern in der Rohstoffindustrie verbreitet war, schwindet – was mit jedem Tag in der Katastrophe wahrscheinlicher wird. Und dann wird hoffentlich der Weg frei für ein klimafreundliches Australien.

Die Luft ist teilweise gefährlich schlecht, der Rauch der Brände erreicht Südamerika. In Australien ist kein Ende des Buschfeuers in Sicht. Ein Thinktank fordert, auch die Kohleindustrie an den Kosten für den Wiederaufbau in Australien zu beteiligen. Das Dschungelcamp beginnt in Australien. Das Trash-Format wirft angesichts der Buschbrände in Australien mehr als sonst ethische Fragen auf. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare