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Einer der Angeklagten im Prozess gegen drei Personen wegen unterlassener Hilfeleistung am Montag in Essen.

Gaffer

Ausdruck einer empathielosen Gesellschaft

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Ein Gaffer filmt einen sterbenden Motorradfahrer. Wir müssen gar nicht von Nächstenliebe predigen - es würde schon helfen, sich in die Lage eines Opfers zu versetzen. Ein Kommentar.

Am Tag, an dem drei Menschen wegen unterlassener Hilfeleistung in einer Essener Bank zu Geldstrafen verurteilt wurden, erschüttert diese Nachricht: Ein Gaffer filmt in Heidenheim einen sterbenden Motorradfahrer – anstatt helfend einzugreifen. Sozialpsychologen mögen Erklärungen für das Unfassbare bieten und von der Hemmschwelle zu helfen reden. Davon, dass Zeugen eines Unfalls sich einzugreifen scheuen, im Glauben, ein Kompetenterer werde schon zur Hilfe eilen.

Das alles mag eine Rolle spielen. Letztlich aber sind die beiden Ereignisse doch auch Ausdruck einer zunehmend empathielosen Gesellschaft. Wir müssen gar nicht von Nächstenliebe predigen. Es würde schon helfen, sich – vernunftgeleitet – in die Lage eines Opfers zu versetzen, sich selbst auf Hilfe angewiesen am Boden zu sehen.

Doch der Unmittelbarkeit des von Angesicht zu Angesicht, die Empathie erst ermöglicht, steht heute oft die digital erzeugte Distanz im Wege, die uns zu Beobachtern und Kommentatoren macht, wo Eingreifen nötig wäre.

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