Missbrauch in der Kirche

Aufarbeitung steht noch aus

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Die katholische Kirche hat den sexuellen Missbrauch von Kindern erst nicht verhindert, dann vertuscht und tut sich nun schwer mit den nötigen Konsequenzen. Der Kommentar.

Die Gottesfrage fällt aus. Die Bischöfe haben diesen Punkt auf ihrer Herbstvollversammlung sausen lassen. Stattdessen dreht sich in Fulda alles um die Studie über sexuellen Missbrauch in den 27 Bistümern. Sie wird heute vorgestellt. Doch nachdem die wichtigen Ergebnisse bereits über die Medien verbreitet worden waren, geht es jetzt um die Deutungshoheit und die Schlussfolgerungen.

Einen kircheninternen Beitrag zur Delegitimierung der Studie hat sich der Kölner Kardinal Rainer Woelki geleistet, indem er für sein Erzbistum eine eigene, weitergehende Prüfung der Akten durch „unabhängige Fachleute“ angekündigt hat, „ungeschönt und ohne falsche Rücksichten“.

Dabei kommt es für „schmerzhafte Ergebnisse“ (Woelki) längst nicht mehr auf höhere Fallzahlen an. Die Strukturen des Missbrauchs, aber auch seiner Fortsetzung durch die Institution Kirche mit systematischer Vertuschung und vernachlässigten Sanktionen sind hinreichend dokumentiert. Umso mehr alarmiert der Befund der Forscher, dass in puncto Prävention und Ahndung weiter jedes Bistum tut, wie’s dem Bischof beliebt. Das Ende solcher Kleinstaaterei wäre der Anfang eines Weges, an dessen Ziel das Wort steht: „Wir haben verstanden.“ Nach zehn Jahren Aufarbeitung ist die Kirche davon erschreckend weit entfernt. 

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