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Auf der Rüttelstrecke

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Von: Matthias Koch

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Die Erhöhung der Leitzinsen soll helfen, die Inflation zu dämpfen.
Die Erhöhung der Leitzinsen soll helfen, die Inflation zu dämpfen. Viele bekommen diese aktuell über die gestiegenen Preise für Lebensmittel zu spüren. © Christoph Soeder/dpa

Die Zinswende der EZB hätte früher kommen müssen. Auch wenn steigende Zinsen das Risiko von Pleitewellen erhöhen und es für Regierungen schwerer wird, an frisches Geld zu kommen. Ein Kommentar.

Monatelang hat Christine Lagarde die anschwellende Leitzinsdebatte ausgesessen, mit der ihr eigenen Mischung aus Eleganz und Sturheit. Jetzt aber dreht die Präsidentin der Europäischen Zentralbank am Steuerrad und bewegt den Tanker EZB in eine neue Richtung.

Allzu lange hatte Lagarde sich und den Menschen in Europa Hoffnungen gemacht, die Inflation wäre nur ein vorübergehendes Phänomen. Doch es gab auch nicht absehbare Faktoren. Einen Kriegsherrn im Kreml, der Energiepreise gezielt auf Rekordhöhen treibt und zugleich Getreidesilos in der Ukraine bombardieren lässt, konnte in den geldpolitischen Fachabteilungen der EZB niemand auf dem Zettel haben.

Europa kommt jetzt auf die Rüttelstrecke. Steigende Zinsen erhöhen das Risiko von Pleitewellen, bei Unternehmen wie Privatleuten. Auch für Regierungen wird es schwerer, an frisches Geld zu kommen – und dies in einer Zeit, die höhere Militärausgaben erzwingt. Verteilungskonflikte, etwa um Sozialetats, werden härter.

Doch jedem muss klar sein: Unangenehme Entscheidungen zu verschieben ist nicht nur unethisch, es steigert auch die faktischen Schwierigkeiten. Dieser Grundsatz gilt allerdings auch für die Geldpolitik. Eigentlich hätte die Zinswende deutlich früher kommen müssen.

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