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Am Frauentag demonstrieren weltweit Menschen für Gleichberechtigung, so auch hier in Chile.

Frauentag und Gleichberechtigung

Die ewigen Tiraden der Gender-Gaga-Fraktion

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Ein bisschen Gleichberechtigung geht nicht. Kann das mal jemand den Frauenhassern erklären? Die Kolumne in der FR.

Hach, es ist immer wieder witzig, sich über Frauen und den ganzen Gaga-Genderismus lustig zu machen. Das Netz ist voll davon. Und Sich-Lustig-Machen geht ja noch. Mit Schenkelklopfern fängt es an und schnell wird daraus ein geradezu infernalischer Frauenhass.

Auf Internetseiten und Foren, auf Twitter oder in Kommentaren geht ein aggressiver Geist um. Frauen, die sich zu aktuellen Fragen äußern werden beleidigt, bedroht, beschimpft, mit jedem denkbaren Schmutz beworfen. Und zwar so lange, bis sie aus den Diskussionen verschwinden.

Männer, die so agieren, wehren sich nicht gegen gendergerechte Sprache mit oder ohne Sternchen oder den für sie gerade noch ertragbaren Grad an Emanzipation. Sie bestehen auf ihrem gurgelnden Wahn, nachdem angeblich die Natur höchstpersönlich ihnen die Überwertigkeit geschenkt habe. Und klar – je rechter diese Leute sind, desto ausgeprägter und aggressiver ist deren Auftreten.

Abgesehen davon, dass es nicht schön ist, als Frau auch davon ständig betroffen zu sein, stellen sich mir dabei immer zwei Fragen, auf die ich keine vernünftige Antwort finden kann. Was wollen Menschen, die so agieren eigentlich? Wollen sie zurück in eine Zeit, in der Frauen kein Wahlrecht hatten?

Weder in der Ehe, noch in der Öffentlichkeit oder im Beruf hatten Frauen Rechte. Sie waren keine Menschen, sondern eben nur Frauen. Sie hatten dem Manne zu dienen und zu reproduzieren und sonst gar nichts. Was wollen die Frauenhasser von heute? Eine völkische Gemeinschaft mit klaren Rollenbildern, in denen die Frauen wieder kontrolliert werden müssen? Wollen sie eine Welt ohne nervende Frauen in der Öffentlichkeit, die eine andere Perspektive auf männlich angestammte Weltregeln einbringen? Die Frage ist: wie soll beides gehen in der modernen Gesellschaft, von der auch Frauenhasser profitieren?

Es gibt keine moderne Gesellschaft ohne Demokratie, ohne Gleichheit vor dem Gesetz, also ohne Gleichberechtigung. Und der Grad der Emanzipation lässt sich nicht vorher festlegen oder kontrollieren. Also, ein bisschen Frauenrechte geht nicht, auch wenn sich manche es sich so wünschen. Die Moderne entwickelt sich immer weiter.

Die andere, zugegebenermaßen rhetorische Frage bezieht sich auf den Rassismus dieser Leute. Wie können Menschen, die derart frauenverachtend unterwegs sind, dann gleichzeitig andere Frauenverachter verachten?

Die Gender-Gaga-Fraktion mit ihren misogynen Tiraden ist ja erklärte Gegnerin des Islam. Sie wirft der Religion vor, Frauen zu hassen. Vor allem aber werfen diese Leute, darunter auch einige Frauen, es den Muslimen vor.

Und nicht nur denen, sondern auch Afrikanern, Flüchtlingen, ja überhaupt allen, die nicht so „deutsch“ aussehen, wie sie selbst. Es steht außer Frage, jedenfalls für mich, dass Frauenfeindlichkeit und antiemanzipatorische Tendenzen überall und gleichermaßen völlig inakzeptabel sind.

Aber wie machen das diese Rechten? Wie können sie „den Islam“ wegen seiner Frauenverachtung hassen und selbst die schlimmsten, sexistischen Aggressionen äußern, wenn sie irgendwo mit Fragen der Emanzipation konfrontiert werden? Oder, die etwas besser Erzogenen, wenn sie darauf mit Begriffen wie „Gender-Wahn“ reagieren. Kann denen mal jemand erklären, wie verlogen das ist? Und wie ganz und gar nicht witzig!

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