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Die Milieus haben sich aufgelöst, die Parteienlandschaft ist zersplittert, die Zahl der Stammwähler:innen wird immer kleiner.
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Die Milieus haben sich aufgelöst, die Parteienlandschaft ist zersplittert, die Zahl der Stammwähler:innen wird immer kleiner.

Leitartikel

Anstrengende Wahl

  • Andreas Niesmann
    VonAndreas Niesmann
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Die meisten Deutschen wollen eine pragmatische Politik. Sie müssen sich nun überlegen, wem sie die Führung des Landes am ehesten zutrauen. Der Leitartikel.

Früher war nicht alles besser, aber manches übersichtlicher und einfacher – zum Beispiel am Wahlsonntag. Ausschlaggebend für die Stimmabgabe war in erster Linie das Milieu, aus dem man stammte. Bauern und Beamte wählten die CDU, Arbeiterschaft und kleinere Angestellte die SPD, für die obersten zehn Prozent war die FDP da. Lange überlegen musste niemand.

Das ist heute anders. Die Milieus haben sich aufgelöst, die Parteienlandschaft ist zersplittert, die Zahl der Stammwähler:innen wird immer kleiner. Die meisten Menschen wollen eine pragmatische, auf gesellschaftlichen Wohlstand, Zusammenhalt und Zukunftsfähigkeit ausgerichtete Politik. Die Wahlentscheidung wird dadurch anstrengender, denn alle müssen sich überlegen, wem sie eine solche Politik und damit die Führung des Landes am ehesten zutrauen.

Favorit Armin Laschet, dessen Union noch immer in den Umfragen führt, hat Zweifel aufkommen lassen, ob er das Format für das Kanzleramt hat. Grund ist nicht die Debatte über eine abgeschriebene Passage in einem zwölf Jahre alten Buch, auch nicht der feixende Auftritt im Katastrophengebiet, sondern die fehlende Ernsthaftigkeit, mit der Laschet scheinbar alle Dinge, von der Pandemie bis zum Wahlprogramm der CDU angeht. Man weiß nicht, wofür dieser Mann steht, man weiß nicht, warum er ins Kanzleramt will, und vor allem weiß man nicht, ob er dort in schwierigen Situationen bestehen würde. Sein Krisenmanagement in Nordrhein-Westfalen ist in dieser Hinsicht nicht gerade ein Empfehlungsschreiben.

Bei der grünen Kandidatin Annalena Baerbock ist die Unsicherheit nach zahlreichen kleineren und größeren Pannen mit Händen greifbar. Was Baerbock zu Beginn und vor allem vor ihrer Kandidatur ausgemacht hat – Lockerheit, Schlagfertigkeit, Selbstbewusstsein – ist weg. Die Phase, in der man sich die Grüne als Bundeskanzlerin vorstellen konnte, wirkt in der Rückschau wie ein kurzer Traum.

Bleibt Olaf Scholz, der den Umfragen zufolge immer noch kaum eine Chance hat, dem die Deutschen das Amt aber am ehesten zutrauen. Scholz hat bislang im Wahlkampf keine Fehler gemacht. Der Finanzminister und Vizekanzler absolviert seine Auftritte solide, ist zu praktisch jedem Thema sprechfähig, und er wirkt anders als Baerbock und Laschet so, als habe er seine Kandidatur durchdacht und einen Plan – auch für die Zeit danach. Der Mann aus Hamburg versprüht zwar wenig Esprit und weckt keine Begeisterung, aber das vermochte die Uckermärkerin Angela Merkel auch nicht.

Scholz’ Problem ist ein anderes: seine Partei. Die SPD hat den Wählerinnen und Wählern mehr als einmal klargemacht, dass weite Teile der Partei eigentlich keine Lust auf das Regieren haben – oder zumindest nicht auf die bei den Deutschen so hoch im Kurs stehende pragmatische Politik. Zwar hat die SPD in den zurückliegenden Jahren viele gute Minister:innen gestellt, die in ihren Ressorts nichts haben anbrennen lassen. Aber anders als die Deutschen hat die Parteibasis mit ihnen immer gefremdelt.

Die Wahl von Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans an die Parteispitze war ein Misstrauensvotum der Basis gegen diese Pragmatik der Macht – und die wurde genau so verstanden. Dass viele Menschen der SPD die Führung des Landes nicht mehr zutrauen, liegt an ihren Mitgliedern, nicht an ihren Minister:innen. Wäre Scholz ein Grüner, wären seine Chancen weit besser. Wäre er in der CDU, würde sich seine Wahl geradezu aufdrängen. Ist er aber nicht.

Die Deutschen haben in diesem Jahr die Wahl zwischen drei Kandidat:innen – zweien fehlt das Format und einem die Partei für das Kanzleramt. Aber es sind ja noch acht Wochen bis zur Wahl.

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