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US-Präsident Donald Trump setzt sich bei seinen Entscheidungen über die Meinung von Fachleuten hinweg.

Donald Trump

Die Angst vor Donald Trump

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US-Präsident Donald Trump ist nach dem Rücktritt von Minister Mattis so isoliert wie nie. Nun wächst in Washington die Angst vor weiteren irrationalen Entscheidungen von Donald Trump.

Wer hält US-Präsident Donald Trump demnächst im Zaum? Mit dem spektakulären Rücktritt von Verteidigungsminister James Mattis verabschiedet sich der letzte Politiker vom Kabinettstisch, der es zumindest hin und wieder noch wagte, dem Präsidenten Paroli zu bieten. Es war nur eine erste spontane Reaktion von Senator Mark Warner, aber sie spiegelt die Stimmung vieler Amerikaner wider: Es ist beängstigend.

Die chaotischen Momente in der US-Führung geben eine düstere Vorahnung auf das kommende Jahr. Mit leichter Hand setzt sich Trump über die einhellige Meinung seiner Fachleute hinweg. Seine Vorgehensweise lässt sich gerade am Beispiel Syrien eindrücklich beobachten. So standen die US-Truppen Anfang der Woche entlang der irakisch-syrischen Grenze noch in schweren Gefechten gegen die Widerständler des sogenannten Islamischen Staates. Nach Angaben des Pentagons flog die Luftwaffe mehrere Dutzend Angriffe. Und nur Stunden später stellt Trump per Twitter fest: Er habe über die IS-Extremisten gesiegt. Man muss kein Militärexperte sein, um zu ahnen, dass hier etwas nicht stimmt.

Der eigentliche Beweggrund dieses leichtfertigen Handelns ist denn auch weniger in der schwierigen Gemengelage des Nahen Ostens zu finden als vielmehr in Washington. Die Nachforschungen des FBI-Sonderermittlers Robert Mueller rücken mittlerweile so nahe an das Weiße Haus heran, dass selbst unter seiner engsten Anhängerschaft die Nervosität wächst.

Das Tröstliche liegt in dieser turbulenten Zeit lediglich in dem Gedanken, dass es Trump nicht in einen Krieg zieht, um von seinen wachsenden innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken, sondern in das Gegenteil: Mit der Pose des Mächtigen holt er die US-amerikanischen Truppen heim – die verheerenden Folgen überlässt er anderen. Zuerst in Syrien, dann in Afghanistan.

Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten: Wladimir Putin ließ seine Genugtuung über seinen Buddy im Oval Office bereits erkennen, und auch in Ankara, Teheran und Damaskus wächst die Erkenntnis, dass die Stunde des Handelns schlägt. Ganz zu schweigen von den Taliban, die sich in ihrer Einschätzung bestätigt fühlen dürften, dass den internationalen Streitkräften früher oder später die Luft ausgeht.

Es ist kurios, dass zu den Profiteuren des amerikanischen Rückzugs ausgerechnet die iranische Führung zählt, die von der Trump-Administration sonst so sehr bedrängt wird. Ihr stellt sich jetzt kaum noch jemand entgegen, um den Landweg von Teheran bis nach Beirut zu kontrollieren. Das Regime weiß: Im Ringen um die Vorherrschaft in der gesamten Region kommt dieser Verbindung eine enorme strategische Bedeutung zu.

Wie schnell sich die Gewichte verschieben, ist auch in Berlin zu spüren. In dem altgedienten Mattis fanden deutsche Regierungsvertreter bei ihren Besuchen in Washington stets einen Gesprächspartner, der ihnen den Eindruck vermittelte, dass sich im Kern der transatlantischen Partnerschaft nichts geändert habe. Die Gäste aus Deutschland wussten natürlich, dass sich der tatsächliche Einfluss des Pentagon-Chefs auf das Weiße Haus nur schwer einschätzen ließ.

Aber es war ein gutes Gefühl, zumindest in diesem Minister die alte Verlässlichkeit wiederzufinden, die über Jahrzehnte das Miteinander prägte. So war es auch Mattis, der so ganz nebenbei eine – kleine – Aufstockung der US-Truppen in Deutschland in die Wege leitete.

Vom neuen Jahr an gelten jedoch andere, schwierigere Spielregeln in Washington. Auch in Berlin wurde Ende 2017 die Warnung des republikanischen Senators Bob Corker aufmerksam registriert, dass Rex Tillerson, John Kelly und James Mattis Amerika vor dem Chaos der eigenen Regierung schützen würden. Diese Woche gab einen ersten Vorgeschmack, wie das Weiße Haus ohne diese „Erwachsenen“ tickt.

Auf die Schnelle müssen in Berlin Antworten gefunden werden: Wie lange lässt sich der Bundeswehreinsatz in Afghanistan noch verantworten, wenn sich die Amerikaner immer weiter zurückziehen? Wie steht es um das Verhältnis zur türkischen Regierung, die offenbar alles für eine Offensive gegen die Kurden im Norden Syriens vorbereiten lässt? Fest steht: Die Verantwortung für die eigene Sicherheit wächst.

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