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Angela Merkel handelt.

Verzicht auf CDU-Vorsitz

Angela Merkel steht nun als Handelnde da

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Angela Merkels Verzicht auf den CDU-Vorsitz ist ein Coup, mit dem sie ihre Gegner überrascht und CSU-Chef Seehofer unter Druck setzt. Die CDU kann den Schwung aber auch wieder verspielen. Ein Kommentar.

Am Tag nach der Hessen-Wahl hat Angela Merkel eine politische Bombe gezündet. Die Kanzlerin hat ihren Rückzug als CDU-Vorsitzende angekündigt, nach knapp 20 Jahren. Sie ist dann also bald mal weg. Zumindest ein bisschen. Denn den Kanzlerposten will sie offenbar behalten, anders als bisher hält sie nicht mehr ultimativ an der Verknüpfung beider Ämter fest.

Merkels Rückzug ist logisch und gleichzeitig doch eine Überraschung. Die CDU erlebt einen dramatischen Einbruch. Sie liegt in den Umfragen deutlich unter 30 Prozent. Im Bund wie auch jetzt in Hessen ist sie zwar stärkste Partei geworden. Aber das waren allenfalls relative Siege. Die Verluste Richtung AfD und Grünen sind dramatisch und dass die andere Volkspartei SPD noch schlechter da steht, kann für die CDU kein Trost sein.

Ein Coup ist Merkels Entscheidung dennoch. Sie hat viele in der Partei überrascht, auch und vor allem ihre Gegner, die sich nun schnell sortieren müssen. Sie steht nun als Handelnde da, nicht als Getriebene und vor allem nicht als Vertriebene. Das ist immer noch die beste Option, wenn eine Niederlage einzuräumen ist.

Jeder Tag, den Merkel länger gewartet hätte, wäre die Debatte in der CDU über die nötige Zeitenwende lauter geworden. Am Beispiel des Unions-Fraktionsvorsitzenden ist jüngst zu studieren gewesen, das man auch zu lange warten kann: Amtsinhaber Volker Kauder verlor gegen den Überraschungskandidaten Ralph Brinkhaus. CSU-Chef Horst Seehofer hat den richtigen Zeitpunkt nach der Bayern-Wahl verpasst – auch er kann die Frau, der er in so inniger Abneigung verbunden ist, nun nicht mehr in Bedrängnis bringen. Merkel hat den Spieß umgedreht. Dabei hätte sie es vielleicht sogar geschafft, auch diesen Sturm noch einmal auszusitzen. Aber sie wäre eine bis aufs Äußerste geschwächte Parteichefin gewesen. Da kann Merkel auf den Job ebenso gut verzichten.

Wie lange sie nun noch Kanzlerin bleibt, ist offen. Sie hat sich bislang auf die gesamte Wahlperiode festgelegt. Aber auch das könnte sich ja noch ändern – zum Beispiel, wenn einer ihrer Gegner den Parteivorsitz übernimmt. Ob der nun Jens Spahn heißt oder Friedrich Merz.

Die CDU ist gut beraten, den Moment des Aufbruchs nun zu nutzen: Verliert sie sich jetzt in Flügelstreitereien, wird der Schwung des Neuen schnell verpuffen.

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