Kolumne

Ein alter Hut

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Was jeder zu Bob Dylans Brille und Kopfbedeckung wissen sollte - oder auch nicht.

Von Oscar Wilde ist der schöne Satz überliefert, dass er im Grunde über einen sehr einfachen Geschmack verfüge. Er sei immer mit dem Besten zufrieden. Daran musste ich denken, als ich das verführerische Antlitz Bob Dylans sah, das ihn als Dandy mit Hut zeigt, jenes Modell, das durch die sogenannte Rolling Thunder Revue berühmt geworden ist.

Der gerade über Netflix verbreitete Film des US-amerikanischen Filmregisseurs und Produzenten Martin Scorsese über die gleichnamige Tournee aus den Jahren 1975/76 hat allerlei Dylan-Bilder wieder in Umlauf gebracht, auf denen er aussieht wie ein Wiedergänger von Oscar Wilde.

Ob er eine modische Anspielung auf Oscar Wilde im Sinn hatte oder nicht, ist für die Wirkungsgeschichte der Tournee unerheblich. Eine exklusive Kopfbedeckung aber schien unerlässlich zu sein. Ehe Dylan und seine Gefährten, darunter Joan Baez, Joni Mitchell, Roger McGuinn sowie die Dichter Sam Shepard und Allen Ginsberg, sich zu ihrer Zirkusunternehmung aufmachten, ließ Bob Dylan sich eigens einen grauen Hut anfertigen, der seither als Thunderclap (Modell: Bob Dylan) in der Modegeschichte reüssiert.

Hersteller des guten Stücks ist die Firma Baron Hat aus Burbank im US-Bundesstaat Kalifornien. Selbstbewusst preist sich das Unternehmen als Hollywoods Hutmacher an und der Erfolg manch eines legendären Films ist ohne die Krempe aus Burbank tatsächlich kaum vorstellbar.

Das Modell The Kilgore aus „Apocalypse Now“ ist für 800 Dollar zu haben und das Modell „The Trainer“ aus „Seabiscuit“ liegt bei 550 Dollar. Bob Dylans Thunderclap mit Kordel und Blumengesteck an der Seite bewirbt Baron hat mit stolzen 1375 Dollar, zuzüglich Versand.

Wem das hier als schnöde Werbung für den Hersteller von Luxushüten zu bunt wird, mag sich vielleicht aufklären lassen über die dunklen Brillen, die Bob Dylan bevorzugt bereits in den späten 60er Jahren trug. Die Legende besagt, dass das klassische Wayfarer-Modell der Firma Ray Ban insbesondere durch Bob Dylan zum coolen Kultaccessoire seiner Zeit wurde und dessen Mythos bis heute fortwirkt.

Dumm nur, dass Dylan mutmaßlich gar keine Brille des Herstellers Ray Ban getragen hat. Darüber hat sich bereits vor einigen Jahren eine rege Diskussion in Internetforen entzündet und es wurden einschlägige fotografische Indizien angeführt, dass die Ray-Ban-Wayfarer eher ausscheide. Warum? In dem schwarzen Modell sind oben auf der Leiste kleine Stahl- oder Kupferbügel erkennbar, die beim Wayfarer-Modell horizontal angebracht sind.

Die Schauspielerin Cate Blanchett, die Bob Dylan in dem Todd-Haynes-Film „I’m not there“ auf faszinierende Art verkörpert hat, trägt eindeutig das Modell von Ray Ban. Dabei handelt es sich jedoch um einen Fall von unzureichender Requisite. Auf den Originalfotos, die Bob Dylan etwa in dem Film „Don’t look back“ von D. A. Pennebaker zeigen, verlaufen die Bügel vertikal, was Brillenexperten zu der Vermutung veranlasst hat, dass Dylan eine Sonnenbrille der Firma Bausch and Lomb bevorzugt hat, der damaligen Mutterfirma von Ray Ban.

Okay, okay, das mag Ihnen als überflüssiges Wissen erscheinen, selbst wenn zahlreiche Internetplattformen gerade daraus inzwischen ihre Existenzgrundlage beziehen. Soll keiner sagen, dass die Alten das Internet nicht richtig zu nutzen wissen.

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