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US-Soldaten bei einer Ausbildungseinheit in Afghanistan.
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US-Soldaten bei einer Ausbildungseinheit in Afghanistan.

Afghanistan

Alte Fehler in Afghanistan

  • Andreas Schwarzkopf
    VonAndreas Schwarzkopf
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Eine ehrliche Bilanz des Isaf-Einsatzes am Hindukusch würde nicht nur die Erfolgsaussichten für die Nachfolgemission erhöhen. Sie gäbe auch Antworten für künftige Einsätze. Ein FR-Leitartikel.

Man möchte so gerne daran glauben, dass die neue Afghanistan-Mission des internationalen Staatenbündnisses nach dem Start zum Jahreswechsel gelingt. Schließlich sollen nach dem Abzug der Isaf-Kampftruppen aus dem seit Jahrzehnten geschundenen Land mit „Resolute Support“ Soldaten und Polizisten weiter ausgebildet werden, damit sie selbst die Sicherheit am Hindukusch herstellen können, die es derzeit in vielen Regionen nicht gibt. Auch 13 Jahre nach Beginn des Einsatzes sterben zu viele Menschen nach Anschlägen und Angriffen der aufständischen Taliban, bei Gefechten oder Raketenangriffen wie jetzt in Helmand.

Die Erfolgschancen der Nachfolgemission wären allerdings deutlich höher, wenn die US-geführte Koalition aus den zahlreichen Fehlern der vergangenen Jahre gelernt hätte. Doch die Politiker in Washington, London oder Berlin haben sich noch nicht einmal um eine ehrliche Bilanz bemüht. Statt dessen rechnen viele die Erfolge wie den Bau von Schulen gegen die Verluste von Zivilisten und Soldaten auf. Politisch sinnvoller wäre es, die bisherigen Schritte zu analysieren. Die Verantwortlichen hätten lernen können, dass beispielsweise vor allem mit militärischen Mitteln kaum etwas besser wird in Afghanistan. Notwendig ist ein politisches Konzept, das das Bündnis genauso verfolgt wie die Regierung in Kabul.

Doch die Ziele der Mission wechselten von Anfang an häufiger, als es dienlich gewesen wäre. Aus deutscher Sicht ging es nach den Anschlägen auf das World Trade Center zunächst um die uneingeschränkte Solidarität mit den USA, dann sollte nach der internationalen Konferenz auf dem Petersberg ein Staat aufgebaut werden, in dem sich islamische Traditionen mit demokratischen Zielen vereinen sollten. Wenig später sollte die deutsche Sicherheit am Hindukusch verteidigt werden.

Wichtige Elemente fehlen

Dieses Kuddel-Muddel setzte sich vor Ort fort. Während die USA mit der Operation OEF in Afghanistan angebliche oder tatsächliche Terroristen jagten und töteten, sollte die Nato-geführte Internationale Schutztruppe Isaf zunächst für Sicherheit sorgen. Später dann sollten mit der US-Militärdoktrin Coin mit politischen, militärischen, wirtschaftlichen und ideologischen Mitteln zum einen die Herzen der Afghanen gewonnen und zum anderen die Aufstandsbewegung bekämpft werden.

Vieles packte das internationale Bündnis schlicht zu spät an. Polizisten sollten bereits mit deutscher und europäischer Hilfe ursprünglich seit 2006 ausgebildet werden. Richtig los ging es dann 2007, nennenswerte Erfolge ließen allerdings noch einige Jahre auf sich warten. Erst nach 2009 ging es voran, nachdem US-Präsident Obama mit der sogenannten Surge und zusätzlichen 30.000 Soldaten militärisch zum Angriff blies und gleichzeitig das Ziel ausgab, in wenigen Jahren genügend afghanische Soldaten und Polizisten ausbilden lassen zu wollen.

Diese letzte große Anstrengung war allerdings verbunden mit dem Ziel, möglichst rasch das Land zu verlassen. Obama und die anderen Regierungschefs des westlich dominierten Bündnisses von rund 40 Staaten mussten der jeweils kriegsmüden Bevölkerung Tribut zollen. Das Signal war eine Mischung aus „Augen zu und durch“ und „Hauptsache raus“. Das ist weit von einem politisch stimmigen Konzept entfernt.

Das Ergebnis ist „Resolute Support“, dem wichtige Elemente fehlen. Es ist nicht klar, wie die aufständischen Taliban in einen politischen Prozess eingebunden werden können. Die einst als Friedensgespräche angekündigten Verhandlungen mit den Islamisten verfolgt so recht niemand mehr. Doch ohne die Aufständischen wird es vor allem in Helmand und den anderen Provinzen an der Grenze zu Pakistan keinen Fortschritt im westlichen Sinne geben. Hilfreich wäre hierfür auch eine Sicherheitsarchitektur, die die Nachbarstaaten wie Pakistan und Iran stärker einbindet. Schließlich endet der Aufstand der Taliban nicht an der afghanisch-pakistanischen Grenze, sondern reicht darüber hinaus - wie auch der jüngste Anschlag der Taliban auf eine pakistanische Schule zeigt.

Viele Fragen, keine Antworten

„Resolute Support“ gibt auch keine Antwort auf die Frage, wie es ökonomisch in dem Land weiter gehen soll nach dem Abzug der Kampftruppen und dem damit verbundenen Verlust von vielen Arbeitsplätzen. Wer – völlig zu recht – in Schulen afghanische Kinder ausbildet, der muss ihnen auch eine Perspektive geben. Sonst führt das richtige Ziel der Bildung zu dem falschen Ergebnis Frust.

Eine ehrliche Bilanz des Afghanistan-Einsatzes und die damit verbundenen Lehren daraus würde nicht nur die Erfolgsaussichten für die Nachfolgemission am Hindukusch erhöhen. Sie würde auch Antworten geben für künftige Einsätze. Die Lust darauf sinkt innerhalb der internationalen Gemeinschaft. Sie werden aber kommen, wie jetzt gegen den „Islamischen Staat“ im Irak. Nur wie in Libyen militärisch einzugreifen und sich anschließend nicht um die Folgen zu kümmern, ist wenig hilfreich und löst die Probleme nicht.

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