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Lebensmittelausgabe der Tafel in Essen.
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Lebensmittelausgabe der Tafel in Essen.

Essener Tafel

Alle könnten satt werden

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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... wenn der Staat seiner Verpflichtung nachkäme: In einem reichen Land wie Deutschland dürfte niemand hungern müssen. Dann gäbe es die unsägliche Debatte über die Essener Tafel gar nicht. Die Kolumne.

Eigentlich eignet sich das Thema zum sofortigen Lospoltern: Bei der Essener Tafel werden bekanntlich Lebensmittel nur noch an Deutsche ausgegeben, aus Gründen der Überlastung, wie es heißt. Zudem sei es immer wieder zu Ausschreitungen ausländischer Jugendlicher gekommen.

Als ich davon las, schwoll mir der Kamm, ich schnaubte und zürnte und zischte: „Wenn das so weitergeht in diesem Land, muss man einen Ariernachweis vorzeigen, wenn man Sozialleistungen beanspruchen möchte!“

Skandal, dass es Tafeln geben muss

Sofort sah ich im Geiste zwei Mütter mit ihren hungernden Kindern vor mir, eine deutsche und eine ausländische. Die eine kriegt etwas zu essen, die andere nicht. Dabei sollen doch kraft unseres Grundgesetzes alle Menschen gleich sein. Zugegeben, da steht nicht, dass alle gleich satt sein sollen. Wo ist also das Problem? Stopp! Bevor ich nun Ausländerhassern auch noch humoristische Munition gebe, mache ich Schluss mit Zynismus.

Ich möchte mir zwar nicht vorstellen, welchem kranken Schädel diese menschenverachtende Regelung entsprungen sein könnte, versuche aber dennoch zu verstehen. Die Tafeln sind allerorten überlastet, mit rapide steigender Tendenz. Es fehlt an allem. An Sachspenden, an Räumlichkeiten, an Fahrzeugen, an freiwilligen Helfern, an Geld. Das ist ein Problem.

Ein Skandal aber ist, dass es in unserer reichen Gesellschaft überhaupt Einrichtungen wie die Tafeln geben muss. Dass hier lebende Menschen, egal welcher Nationalität, hungern müssen – und noch mehr hungern müssten, gäbe es nicht die vielen Ehrenamtlichen, die in ihrer Freizeit die Notleidenden mit dem Allernötigsten versorgen, oftmals mit Nahrungsmitteln, die uns Wohlstandsbürgern nicht mehr gut genug sind.

Aber ist es nicht Aufgabe eines Staates, dafür zu sorgen, dass alle einigermaßen satt werden? Doch. Denn Geld ist genug da. Und reicht es nicht, muss halt welches beschafft werden, etwa durch eine Verschiebung von Prioritäten. Und wie wäre es zusätzlich mit einem gesetzlichen Verbot des Wegwerfens von Lebensmitteln?

Ich höre schon wieder die Vorwürfe, meine Vorschläge seien naiv, lebensfremd, utopisch. Warum eigentlich? Muss immer alles so verschachtelt angegangen werden, dass Lösungen mit jedem Versuch, sie durchzusetzen, immer komplizierter werden? Fehlt nicht schlicht der Mut zum einfachen Denken?

Ausländische Vollidioten und deutsche Vollidioten

Zum Schluss noch ein paar Worte zu dem Vorwurf, ausländische Jugendliche würden oftmals an den Tafeln Randale machen, sich vordrängen und rumpöbeln. Das mag sein. Ich kann mir sogar gut vorstellen, wie ein Rudel nichtdeutscher Nachwuchsmachos einen auf dicke Hose macht. Das ist spätpubertäres Rumgebaren, oft latent aggressiv, häufig beängstigend. Damit muss man umgehen können, was im übrigen kein Ding der Unmöglichkeit ist.

Ganz falsch ist aber sicherlich, sich aufzuführen wie ein großkotziger Türsteher und allen Nichtdeutschen pauschal Hausverbot zu erteilen. Denn sehen wir es mal andersherum: Ist es angenehmer, einer Truppe jugendlicher rechtsradikaler Rabauken nett und zuvorkommend Lebensmittel auszuhändigen, nur weil sie den richtigen Pass in der Bomberjacke haben? Es gibt ausländische Vollidioten, und es gibt deutsche Vollidioten. Das hat mit oben geschilderter Problematik aber überhaupt nichts zu tun.

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