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AfD-Chefin Alice Weidel konnte noch nie mit Medien. Aktuell legt sie sich mit der Kinder-Sendung „logo! erklärt“ an – ausgestrahlt im ZDF.

Medienkritik

Nach Propaganda-Vorwurf gegen Kika: AfD-Chefin Alice Weidel sollte ihre Realitätswahrnehmung überprüfen

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AfD-Chefin Alice Weidel konnte noch nie mit Medien. Jetzt nimmt sie sich absurderweise die Kinder-Sendung „logo! erklärt“ vor. Ein Kommentar. 

++ Unfassbare Behauptungen des ZDF-Kinderfernsehens!  ++ Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende der AfD, ist auf Facebook im Eil-News-Modus. „Ein unfassbarer Fehlgriff“ sei es, den sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk erlaubt habe. Was war geschehen, was hatte Weidel in der Schnappatmung womöglich verharren lassen? Offensichtlich hatte sie „logo! erklärt“ rezipiert, ein Format für Kinder und Jugendliche, das auf „Kika“ ausgestrahlt wird.

AfD und Alice Weidel - niemand will mit ihnen zusammenarbeiten

„In der Vergangenheit kam es immer wieder vor, dass keine Partei mit der AfD zusammenarbeiten wollte. Woran liegt das? logo! erklärt es euch“, ist der 1.12 minütige Anstoß des Grolls unterschrieben. Die AfD wolle eben viele Dinge, mit denen andere Parteien nicht einverstanden seien, spricht eine weibliche Stimme aus dem Off. So fände die AfD beispielsweise, zu viel Einwanderung sei „schlecht für Deutschland“. Tatsächlich plädiert die Partei für einen „grundlegenden Paradigmenwechsel“ in der Migrationspolitik: „Schützt die Nationen“, heißt es auf deren Homepage, die alleine mit diesem Slogan den logo!-Erkläransatz bestätigt.

Weiter versuche die AfD, den Menschen gezielt Angst vor Flüchtlingen zu machen. Beispielhaft sei hier auf Weidel herself verwiesen, die im Bundestag von „Messermännern“ schwadronierte und damit sämtliche männlichen Flüchtlinge verbal in den Messerstecher-Kontext setzte. Also, gut erklärt, liebe logo!-Redaktion.

Ob Alice Weidel oder Björn Höcke - rechtsextreme Ansichten trenden in der AfD

Auch gäbe es „einige Menschen“ mit rechtsextremen Ansichten in der AfD. Einige? Man nehme exemplarisch Björn Höcke. Der darf „Faschist“ genannt werden und wird von Politikwissenschaftlern als „eindeutig rechtsextremistisch“ eingestuft. Der Rechtsextremismusexperte Hajo Funke findet gar, dass sich die „AfD in großen Teilen rechtsradikalisiert“ habe. „Einige“ könnte insofern nicht ganz korrekt sein, aber logo! erklärt in die richtige Richtung.

Und kommt zu einer expliziten Definition eben der Rechtsextremen, die Menschen mit anderer Hautfarbe oder Religion „hassen“. Hier wird explizit der Begriff des Rechtsextremismus definiert und keineswegs formuliert, die AfD „hasse“. Das jedoch behauptet Weidel auf Facebook. Schon „den Kleinsten (werde) erklärt, die AfD sei rechtsextrem und ‚hasse‘ Menschen mit anderen ‚Hautfarben‘ oder ‚Religionen‘.“

AfD-Chefin Alice Weidel eskaliert im Streit mit dem Kinderfernsehen

Inwiefern sich dies auf die Partei ausdehnen lässt, sei dahingestellt. Was die AfD vom Islam hält, der nicht zu „Deutschland gehört“ (A. Gauland, H. Seehofer) und den sie in sämtlichen Bereichen zensieren und einzuschränken gedenken, lässt sich auf deren Hompage bzw. im Netz nachlesen – diesbezüglich gibt es bei Google 6.860.000 Treffer. Wie Weidel im Speziellen den Islam findet, hatte sie bereits in ihrer Bundestagsrede ganz ohne Subtext formuliert, als sie von „Kopftuchmädchen und anderen Taugenichtsen“ sprach.

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Insofern hat „logo! erklärt“ den Faktencheck bestanden, doch der Blick in den Spiegel ist selten schmeichelhaft für die Damen und Herren Braun-Blau. „Plumpe Propaganda“ eskaliert Alice Weidel im Fließtext auf afdbundestag.de, um sich gleichsam als Sprachrohr der Eltern anzudienen. Deren Vertrauen würde missbraucht, die Grenzen des Anstandes gesprengt, die Jüngsten „indoktriniert“ usw.usf., heißt es, zudem sei die „Abschaffung des GEZ-Zwangsgebührensystems überfällig“.

AfD propagiert gegen Aufklärung - Alice Weidel macht mit

Gut gebrüllt, Frau Weidel, nur was sie als „Propaganda“ bezeichnet, ist nichts anderes als politische Aufklärung. Die wenigsten Akteure der sogenannten „etablierten Parteien“ wollen etwas mit der AfD zu tun haben – das ist ein Fakt. Diese Rolle hat sich die AfD inhaltlich als auch personell seit ihrem Bestehen mehr als verdient. Zu erklären, für was eine Partei steht, ist somit Teil eines Aufklärungsprogramms, ebenso wie der Rechtsextremismus innerhalb der Partei, der die Wissenschaft beschäftigt.

Alice Weidel poltert also genau genommen gegen die politischen AfD-Inhalte, die zu benennen sie als Propaganda abtut. Das könnte als einigermaßen schizophren gedeutet werden, zumal die obligatorische Opfererzählung mitschwingt, die gleichsam eine Zensur verlangt.

Alice Weidel und der Opferwahn der AfD

Der Opfer- beziehungsweise Verfolgungswahn hatte die Fraktionsvorsitzende kürzlich erst an anderer Stelle befallen, als sie während einer Rede in Weingarten die Contenance verlor. „Wir sind hier Demokraten – hauen Sie ab. Mit dem Pferdeschwanz, hauen Sie ab“. Sie hatte eine Handbewegung als „Kopf-ab“-Geste gedeutet, dabei hatte sich der Mann gemäß einer Meldung auf T-online „auf Weidel gefreut“ und war lediglich von einer Husten-Attacke gebeutelt worden bzw. auch von Weidels Sicherheitskräften, die ihn aus dem Saal werfen ließ.

Alice Weidel sollte vielleicht einmal ihre Realitätswahrnehmung überprüfen, wenn es schon derart gediehen ist, dass sie politische Aufklärung als Propaganda und eine Erkältungsreaktion als Morddrohung interpretiert. Vielleicht ist es aber auch einfach der Spiegel, in den die Damen und Herren der AfD nicht zu oft schauen wollen.

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