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Botswana gehört zu den afrikanischen Ländern, die bislang von größeren Ausbrüchen verschont geblieben sind. Doch die weitere Entwicklung auf dem Kontinent ist kaum abzusehen.

Globale Partnerschaft

Mit Afrika die Krise überwinden

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Die Corona-Pandemie könnte Anlass sein, gemeinsam eine neue globale Partnerschaft zu begründen. Der Gastbeitrag.

Während das Coronavirus Europa seit Wochen lahmlegt, gibt es auch in afrikanischen Ländern nun mehr als 10.000 Infektionsfälle, die meisten davon in Südafrika und Ägypten. Viele afrikanische Regierungen haben schnell reagiert und bereits bei den ersten Krankheitsfällen die Grenzen geschlossen sowie Ausgangsbeschränkungen verhängt.

Die weitere Entwicklung des Virus auf dem Kontinent ist kaum abzusehen. Auch in dem Fall, dass die Zahl der Neuerkrankungen deutlich hinter denen in Asien oder Europa zurückbleibt, ist die Corona-Krise mit erheblichen Herausforderungen für die schwachen Gesundheitssysteme in vielen afrikanischen Ländern verbunden.

Hinzukommen die wirtschaftlichen Auswirkungen. Die Ausgangsbeschränkungen belasten afrikanische Volkswirtschaften bereits stark. Eine Wirtschaftskrise in Europa, Asien und den USA als Folge der Corona-Krise würde den afrikanischen Kontinent zusätzlich hart treffen. Volkswirtschaften wie Nigeria, Angola oder Südafrika sind stark von Ressourcenexporten nach China, in die EU und die USA abhängig. Länder wie Gambia oder Kapverden bekommen hohe Rücküberweisungen von Migrant*innen in der EU.

Christine Hackenesch.

Die EU-Beziehungen mit Afrika spielen in der Corona-Krise bislang kaum eine Rolle. Innerhalb der EU war beim Ausbruch der Pandemie schon die Solidarität mit den europäischen Nachbarn begrenzt. Inzwischen laufen Unterstützungsmaßnahmen, wie zum Beispiel die Verlegung von Patienten aus Ostfrankreich nach Deutschland und Luxemburg.

International hat die EU bisher vor allem zusätzliches Geld für die Weltgesundheitsorganisation sowie die Umschichtung von 15 Milliarden Euro Entwicklungshilfe für kurzfristige Krisenbekämpfung angekündigt. Nur ein kleiner Teil dieser Maßnahmen betrifft afrikanische Länder.

Die Bewältigung der Corona-Krise wird die Zusammenarbeit Deutschlands und der EU mit afrikanischen Partnern in den nächsten Monaten und Jahren maßgeblich prägen. Kooperation mit Afrika hat in der EU angesichts der Migrationspolitik und des zunehmenden wirtschaftlichen und geopolitischen Wettbewerbs mit China, Russland und anderen Akteuren seit einigen Jahren an Bedeutung gewonnen. Im besten Falle kann die Corona-Krise jetzt eine dringend notwendige Neugründung der Partnerschaft befördern. Dies kann allerdings nur gelingen, wenn die EU schnell ihre interne Handlungsfähigkeit herstellt und die Krise auch als Chance für einen Neuanfang begreift.

Erstens eröffnet die Krise neue Perspektiven auf die Partnerschaft. Die EU betont schon seit längerem, dass die „Geber-Empfänger-Beziehung“ der Vergangenheit angehört. De facto geht es in Brüssel aber nach wie vor darum, was sich in Afrika ändern muss und wie die EU diese Veränderungen unterstützen kann. Mit der Corona-Krise ändert sich dies nun quasi über Nacht.

Die EU sollte die Gelegenheit erkennen und die Krise nutzen, um gemeinsam mit afrikanischen Partnern nach zukunftsfähigen Gesellschaftsmodellen zu suchen. Die Krise gibt auch Möglichkeiten, von afrikanischen Partnern zu lernen, beispielsweise über deren Erfahrungen in der transnationalen Bekämpfung von Ebola.

Zweitens ergreifen EU-Länder nun diverse Maßnahmen, um die wirtschaftspolitischen Folgen der Krise abzufedern. Bisher sind diese Pakete primär darauf ausgerichtet, die EU-Volkswirtschaften intern zu stabilisieren. Die EU-Regierungen sollten diesen Investitionsschub nutzen, um die Ziele des europäischen Grünen Deals umzusetzen und die Klimaneutralität der EU bis 2050 sicherzustellen.

Die EU sollte dabei eng mit afrikanischen Partnern zusammenarbeiten. Die Corona-Krise bietet damit die Chance, die notwendige Transformation zur Nachhaltigkeit zu einem zentralen Thema in den EU-Afrika-Beziehungen zu machen.

Drittens stellt sich mittelfristig die Frage, ob durch das Coronavirus eine Reform des multilateralen Systems entsteht oder sich die Krise des Multilateralismus verschärft. Ob das Virus eine Chance zur Reform der globalen Ordnung ist, wird maßgeblich von der EU abhängen. Für Reforminitiativen braucht sie Partner. Die EU sollte diese Chance nutzen, um mit afrikanischen Staaten und der Afrikanischen Union global enger zusammenzuarbeiten.

Ähnlich wie die EU haben viele afrikanische Staaten ein starkes Interesse am Erhalt und Ausbau multilateraler Institutionen. Eine europäisch-afrikanische Allianz könnte eine wichtige Rolle beim Aufbau einer regelbasierten globalen Ordnung nach Corona spielen.

Dr. Christine Hackenesch leitet am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik das Forschungsprogramm
„Inter- und transnationale Zusammenarbeit.

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