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Ist ein Politiker der Linken gegen den realpolitischen Kurs, so ist er ein "Lafodödel".
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Ist ein Politiker der Linken gegen den realpolitischen Kurs, so ist er ein "Lafodödel".

Die Linke

Die Affäre „Lafodödel“

  • Thomas Kröter
    VonThomas Kröter
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In der Linksfraktion kursiert eine Liste über die politischen Einstellungen von Vorstandmitgliedern. Auftraggeber: Der künftige Vorsitzende Dietmar Bartsch. Parteimitglieder werden darin als zuverlässig, unabhängig oder „Lafodödel“ bezeichnet. Ein Kommentar.

Ordentliche Affären brauchen einen Namen. Wie wär’s mit „Dödelgate“? Zur Erläuterung: Eine der Linken nicht eben wohl gesonnene Zeitung hat Dokumente zugespielt bekommen, denen zufolge der künftige Fraktionschef der Partei im Bundestag, Dietmar Bartsch, Dossiers über die politische Zuverlässigkeit von Vorstandsmitgliedern anlegen lässt. Je nach Einstellung zu seinem (real)politischen Kurs wurden sie eingeordnet als „z“ wie „zuverlässig“, „u“ wie „unabhängig“ oder eben „L“ wie „Lafodödel“, berichtet "Die Welt". Offenbar mag der Politiker, der demnächst seine Partei im Bundestag repräsentieren soll, deren Mitgründer Oskar Lafontaine so wenig, dass er aus seinem Namen eine eigene Feindeskategorie machte.

Der Vorgang ist allerdings schon etwas her. Drei Jahre. Damals hatte Bartsch gerade eine bittere Niederlage einstecken müssen. Im Wettbewerb um den Vorsitz unterlag er auf einem Parteitag Bernd Riexinger, der das Amt bis heute innehat und (Sprachgebrauch Bartsch) als ausgewachsener „Lafodödel“ galt. Die Fraktionskämpfe in der Partei waren damals noch unfreundlicher als gewöhnlich. Der Ton sei „kein feiner“ gewesen, räumt heute der Sprecher der Linksfraktion, Michael Schlick, ein. Für ihn ist die Liste „absolut legitim“. Dergleichen Einteilungen gebe es in anderen Parteien auch.

In seinem Bemühen, den Vorgang herunterzuspielen hat, hat der Fraktionssprecher der Linken die Geschichte noch etwas höher gehängt. Der Auftrag für die Liste stamme von Gregor Gysi, erklärte Michael Schlick gegenüber "Spiegel-online". Dietmar Bartsch habe dann einen Mitarbeiter damit beauftragt. Gysi, der die Linke einst gemeinsam mit Lafontaine gegründet hat, amtiert noch bis zum 13. Oktober als Fraktionschef. Aber schon heute reicht seine Autorität offenbar nicht mehr aus, seinem (Noch-)Sprecher klar zu machen, dass er Schaden von ihm zu wenden habe. Sahra Wagenknecht jedenfalls, Lafontaines Ehefrau und politisch ein führender „Lafodödel“, dürfte die Affäre mit zufriedenem Schmunzeln betrachten. Ihre Autorität ist jedenfalls – Stand Ende September – nicht schon vor der Wahl zur Fraktionsvorsitzenden (die Linke hat wie die Grünen zwei davon) beschädigt.

Ob in anderen Parteien eine ähnliche Dossier-Wirtschaft herrscht, wie Michael Schlick unterstellt? Wie mag Angela Merkel wohl die politischen Freunde Horst Seehofers nennen oder Sigmar Gabriel die Anhängerschaft des Linken Ralf Stegner? Wir wissen es nicht. Die CDU-Vorsitzende hat ihren Laden legendär gut im Griff. Und so weit reicht die Autorität des SPD-Chefs noch, dergleichen Indiskretionen zu verhindern. Oder ihr Gedächtnis ist groß genug, die unsicheren Kantonisten im Kopf zu behalten. Auf jeden Fall sind sie klug genug, derlei Einschätzungen nicht schriftlich festzuhalten und obendrein einem ziemlich großen Kreis zugänglich zu machen, indem nicht jeder das Prädikat „z“ verdient. Wer so etwas tut, ist – im Sprachgebrauch von Dietmar Bartsch - ein ziemlicher „Dummdödel“.

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