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Die AfD wäre so gerne nach außen hin seriös. Klappt halt nicht immer. 

AfD-Statement zu Reschke

AfD distanziert sich vom nächsten „schwarz-braunen Schaf“

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Die AfD Schleswig-Holstein veröffentlicht auf Facebook ein Statement und äußert sich zum Post vom Kameraden Reschke. Die FR kommentiert den Versuch einer Distanzierung. 

Mario Reschke ist Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Dithmarschen und spielte sich in den allgemeinen Fokus, weil er auf Facebook den getöteten Walter Lübcke verhöhnte, der für seine flüchtlingsfreundliche Haltung bekannt war. „Mord???? Er wollte nicht mit dem Fallschirm springen...“, hatte er wenig zweideutig einen Suizid zumindest im Subtext nahegelegt, da mit dem „Fallschirm“ eine Assoziation zum Selbstmord von Jürgen Möllemann 2003 naheliegt. 

Zitat von Lübcke? AfD-Mann Reschke hat nie etwas davon gehört 

Die Empörung, selbst aus den Reihen seiner Hauspartei AfD, kam entsprechend heftig, in Dithmarschen wird bereits seine Mandatsniederlegung gefordert. Reschke weist Häme weit von sich, auch will er von dem Satz, den Lübcke 2015 äußerte – „Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jederzeit verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen“ - nichts gewusst haben. Diese Worte hatten dem Unionspolitiker Morddrohungen eingebracht. Funfact: Reschke selbst postete im Oktober 2015 brav mit AfD-Logo einen Auszug des Zitats mit der Replik, dass dies „noch unser Land“ sei. 

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Der Mann ist für die AfD wohl ein Ärgernis, zumindest reagierte die „Alternative für Deutschland“ Schleswig-Holstein auf Facebook in einem Statement, für das Harald Beitat (Flensburg-Schleswig) verantwortlich zeichnet. Mit „Der Fall Mario Reschke  Was er für uns bedeutet, was wir lernen können oder auch nicht“, überschreibt Beitat seine Zeilen und kommuniziert zunächst seine Verwunderung über den „Blätterwald“, der sich – wieso bloß? - über Reschkes Eintrag echauffiert habe. 

Statement der AfD Schleswig-Holstein

Aber, auf dass sein Klientel ihn bloß nicht falsch versteht, formuliert er vorab, dass Lübcke „in der Vergangenheit bei vielen für Unmut gesorgt“ habe. Übersetzt meint er das rechte Klientel der AfD. Jedoch könne er sich mit „so jemandem wie Reschke“ nicht arrangieren. 

Das zu äußern hätte doch gereicht. Wieso zuerst daran erinnern, warum die Rechte Lübcke als Gegner ausgedeutet hatte? Um eventuell ein nachvollziehbares Motiv für die geschmacklose Entgleisung zu liefern, ohne sie gutzuheißen? Doch wer den Wutbürger verärgert, der muss wohl mit möglichen Konsequenzen rechnen? 

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Es scheint, als ärgere Beitat in erster Linie der Wirbel, den Reschke mit seinem Halbsatz entfacht hat. Der offenbart nämlich für viele den Geist der Blau-Braunen, die gerne im weißen Westchen auf Stimmenfang gehen. Jetzt haben sie wieder ein „schwarz(braunes) Schaf“, von dem es sich auf Teufel komm raus zu distanzieren gilt. 

Ironieversuch der AfD: FR hat Reschke nicht bezahlt 

„Was bedeutet es für,…, den politischen Gegner … für den Großteil der Presse? Gefundenes Fressen.“ Nein, Herr Beitat, bei der AfD muss man nichts suchen, es ist vielmehr lediglich ein weiterer moralischer Offenbarungseid. 

„Exemplarisch“ wird die Frankfurter Rundschau zitiert und messerscharf, mit einer Prise AfDscher Ironie orakelt, ob Reschke „auf der Gehaltsliste des politischen Gegners“ stehe. Es sei hiermit versichert, dass die FR für einen den Reichsbürgern nahestehenden Rechten kein Geld ausgibt. 

Lesen Sie die Entwicklungen im Fall Lübcke im Ticker

Tatsächlich ist Beitat richtig sauer auf Reschke, der „in seinem Selbstbild abgehoben“ sei und sich mit Reichweite brüste. Gut gebrüllt, doch noch besser brüllt er im nächsten Absatz: „Ich hoffe, was jetzt passiert, zeigt auch jedem bei uns im Kreis, was passieren kann, wenn man es nicht schafft, seine dunkelsten Gedanken für sich zu behalten. Dunkle Gedanken hat jeder von uns mal, aber äußern tun wir es glücklicherweise seltener und gar umsetzen (bis hin zur Körperverletzung) erst recht nicht.“ 

Was die „dunkelsten Gedanken“ der AfD sind, lässt sich doch auf jeder Parteiveranstaltung feststellen. Von was also spricht Beitat? Kennt er seine eigene Partei nicht? Hat er noch nie einer Rede von Björn Höcke gelauscht, noch nie die Tweets von Beatrix von Storch gelesen oder Dubravko Mandic erlebt, wenn er mit Pressevertretern kommuniziert? 

„Wir sind nicht Mario Reschke und seine Gesinnungsfreunde, wir sind besser“, schließt er, und für seine Person mag das durchaus zutreffen. Für die Haltung und Gesinnung seiner Partei jedoch nicht.

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