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Die Wahl der AfD-Kandidaten für die Landtagswahl im Herbst hat sich als Marathon erweisen. Erst nach einer Nachtsitzung gibt es Klarheit für die Spitzenkandidatur.

AfD, NPD und DVU

Rechtsextreme in Deutschland: Die Hunde schlafen nicht mehr

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Wer vor dreißig Jahren vor Rechtsextremismus warnte, galt als Nestbeschmutzer. Heute sammelt die AfD alle ein, die schon immer völkisch gestimmt waren. Die Kolumne. 

In den 1990er Jahren gab es noch wenige Experten zum Thema Rechtsextremismus. Damals galt die Beschäftigung damit als Nestbeschmutzerei im Osten und als Einzelfallerei im Westen. Die Wenigen, die im Feld unterwegs waren, lokale und regionale Erhebungen machten, mit Leuten sprachen, zu denen unter anderem Bernd Wagner, Dierk Borstel und ich gehörten, mussten sich allerlei anhören. Wir wären das Problem. Weil dadurch, dass man über Rechtsextremismus redete, nur schlafende Hunde geweckt würden. Die „Westmedien“, wie die „Lügenpresse“ damals noch hieß, würde dann herbeieilen und falsch berichten. 

Dadurch erlitte die Region dann einen Imageschaden. Dadurch würden Touristen oder Industrie ausbleiben, dadurch gingen Arbeitsplätze verloren und so würden die Menschen natürlich und zwangsläufig rechtsradikal. So klar. So logisch. So blöd.

Rechtsextreme: Erst Nichtwähler, dann NPD und DVU - heute AfD?

Auf etwa 30 Prozent hatten wir damals das rechtsextreme Potenzial geschätzt. Belastbare Zahlen waren rar, denn eine vergleichende Einstellungsforschung gab es noch nicht. Nach der Einheit wurde alles beforscht und verglichen, vom Verhältnis zu Haustieren, der Benutzung von wichtigen Haushaltsgütern wie Streichhölzern bis zur Häufigkeit weiblicher Orgasmen. Vorurteilsforschung kam nicht vor. Ja wieso auch? Im Land der Shoa war ja mit der Einheit alles gut geworden.

Damals wählten die Rechtsextremen nicht, später dann vielleicht die NPD, DVU und andere Rechtsradikale. Und die weniger militanten Zuschauer in jenen Baseballschlägerjahren wählten halt, was da war. Nicht nur die Bürgerlichen wie CDU und FDP, mitunter SPD, sondern zu einem nicht unerheblichen Teil auch die PDS, die spätere Linkspartei. Die Parteien hat es aus verschiedenen Gründen nicht gestört. Oder sie haben die schlafenden Hunde einfach ignoriert.

Die Gesinnung der AFD-Wähler ist rechtsradikal

Heute zeigt eine Forsa-Umfrage, wie rechtsradikal die Gesinnung der AfD-Wähler ist. Eine Mehrheit von ihnen will keine Demokratie, sondern einen Führer, findet, Juden wollten immer nur Geld und es sei Zeit für einen Schlussstrich. Diese Mehrheit der AfD-Wähler sieht den Sieg der Alliierten als eine furchtbare Niederlage und keineswegs als Befreiung. Die Leute fühlen sich außerdem von „Ausländern“ überfremdet und stimmen rechtsextremen Parolen zu. Und die allermeisten Holocaustleugner in Deutschland stehen der AfD nahe.

Die AfD hat einfach alle eingesammelt, die schon immer völkisch gestimmt waren. Im Völkischen liegt der gemeinsame Nenner. Trotz einzelner Bekundungen des Gegenteils geht der Zug der AfD in diese Richtung. Neue Gesichter an der Parteispitze ändern daran nichts. Das Wording von der bürgerlichen Partei kann, trotz seiner mechanischen Wiederholungen, den völkischen Charakter dahinter nicht verbergen. Björn Höcke mag sich beim Parteitag zurückhalten, aber es ist nur ein wissendes und süffisantes Abwarten.

Ob AfD oder NPD: Braune Nester sind keine Einzelfälle mehr

Mit Völkischen zu reden bringt einfach gar nichts. Sie sind von ihrer Besessenheit nicht abzubringen. Immerhin wissen nach fast 30 Jahren nun alle, dass es sich tatsächlich nicht um Einzelfälle handelt. Und von Beschmutzung ist auch keine Rede mehr – diese Leute sind inzwischen sogar stolz auf ihre braunen Nester. Die liberalen Demokraten und die offene Gesellschaft haben keine Zeit mehr für Verständnis und träumerisches Abwarten. Die Hunde schlafen längst nicht mehr.

Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

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