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BUND und Naturfreunde wollen sich entschieden gegen AfD abgrenzen

Gegen „Blut und Boden“

Naturfreunde und BUND: „Wir müssen uns von der AfD abgrenzen“

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Die Menschheit muss die Umwelt schützen. Gleichzeitig müssen sich Naturverbände von der AfD abgrenzen. Denn mit Blut und Boden hat das nichts zu tun. Der Gastbeitrag.

Alexander Gauland, der Vorsitzende der AfD, nennt neben der Kritik an dem Euro und der Zuwanderung den „Irrsinn der Klimaschutzpolitik“ das dritte große Thema seiner Partei. Die alte und neue Rechte will den Naturschutz, der seine Wurzeln im konservativen Denken hätte, „zurückerobern“.

Die Gleichung der AfD heißt: Naturschutz ist Heimatschutz und Heimatschutz ist Volksschutz. Und immer wieder dieselbe Einordnung ihrer Behauptung in eine nationalistische Ideologie: Die Partei lehne die Massenmigration ab, weil mit der Vermischung von Kulturen auch die Gefahr der Naturzerstörung verbunden sei.

BUND und Naturfreunde wollen sich von AfD abgrenzen

In den letzten fünf Jahrzehnten hätten aber „Emanzipationsideologen“, wie Gauland Umweltschützer nennt, den Naturschutz okkupiert und für ihre realitätsferne Politik missbraucht. In „fundamentalistischer Anmaßung“ glaube die Linke, mit dem Klimathema ein „ultimatives Mandat“ zu haben, das der AfD-Vorsitzende als „mächtigste Ersatzreligion“ abtut.

Die Umweltpolitik sei eine Glaubensfrage, der Marsch in die Illusion, die die Wirklichkeit aussperre. In ihrem Grundsatzprogramm steht zum Klimaschutz: „Irrweg beenden“. Wo leben die denn? Die Erdsystemforschung zeigt die globalen Umweltgefahren auf, die Weltgemeinschaft der Klimaforscher ist sich einig. Das ignoriert die AfD. Es passt nicht in ihr Weltbild.

Die AfD belebt die Gespenster der Vergangenheit

Die AfD belebt die Gespenster der Vergangenheit mit einer Neuauflage der nationalistischen Blut-und-Boden-Ideologie. Sie postuliert die Einheit eines rassisch definierten Volkskörpers mit dem Staatsgebiet, die auch mit antisemitischen Ideen verknüpft wurde. Für Gauland war das Reichsnaturschutzgesetz von 1935 epochal. Er verschweigt, welche antisemitischen und faschistischen Begründungen die Verfasser damals geleitet haben, die deutsche Landschaft zu schützen.

Ziel müsse sein, so der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke, das Thema Naturschutz stärker als bisher an die Partei zu binden und dadurch auch die dem völkischen Denken liegenden Lösungsansätze zu transportieren – vor allem gegen den liberalen Lebensstil und die Massenzuwanderung. Gauland wie Höcke geht es nicht um eine rationale Auseinandersetzung mit den Umweltproblemen, schon gar nicht um eine politische Einordnung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Sie greifen Ängste, Stimmungen und Kritik auf und verstärken sie, um sie gegen die Umweltpolitik zu wenden – gegen die Energiewende („absurd“), gegen die Verkehrswende („Dieselmord im Ökowahn“), gegen den Klimaschutz („CO2 hat keinen maßgeblichen Einfluss“). Sie wollen die Unzufriedenheit verstärken, um sie für die AfD zu nutzen. Die AfD lehnt das Erneuerbare Energien-Gesetz ab. Sie will, dass die Atomenergie am Netz bleibt.

Die neue Rechte bekämpfen – und zugleich nach gesellschaftlichen Ursachen suchen

BUND und Naturfreunde: Gegenteil der AfD-Ideologie

Gauland verkleidet seine an die braune Vergangenheit erinnernde Ideologie unter dem Deckmantel eines gebildeten Vertreters des bürgerlichen Lagers. Indem er Entstehungsgeschichte, Inhalt und Ziele der Nachhaltigkeit einfach ignoriert, behauptet er, sie sei ein konservatives Prinzip. Aber Nachhaltigkeit ist die zeitliche und räumliche Erweiterung sozial-ökologischer Reformen und damit das Gegenteil der AfD-Ideologie.

DerAfD-Chef begründet sein Weltbild mit den Zivilisationskritikern Friedrich Georg Jünger, Martin Heidegger und Ludwig Klages. Sie waren Antidemokraten. Klages war ein Antisemit, der noch 1944 an die rassische Überlegenheit der Germanen glaubte. Heidegger wurde am 1. Mai 1933 „aus innerer Überzeugung“ Mitglied der NSDAP und blieb es bis zum bitteren Ende. Jünger war nicht parteipolitisch engagiert, stand aber wie sein Bruder Ernst der „Konservativen Revolution“ nahe, lehnte die Weimarer Republik entschieden ab und wollte ein elitäres Drittes Reich.

Die AfD und der Feuerwehrverband: Zündler bei der Feuerwehr

Klaren Trennungsstrich zur AfD ziehen

Die Antwort auf die AfD kann nur heißen, soziale, ökologische und demokratische Ziele eng miteinander zu verbinden und sie als Einheit zu verstehen. Das ist die Alternative für Deutschland und Europa sowie die Verantwortung für ein gutes Leben aller Menschen.

Wenn Rechte sich dagegen wehren, in die „rechte Ecke“ gestellt zu werden

Der Klimaschutz ist eine Menschheitsherausforderung, die vor unserer Haustür anfängt. Wer das in Frage stellt, ist von vorgestern. Mit Blut und Boden haben wir nichts zu tun. Was daraus werden kann, hat die Welt und unser Land mit zig Millionen getöteter Menschen schmerzlich erfahren. Gerade die Natur- und Umweltverbände müssen einen klaren Trennungsstrich zur AfD ziehen.

Michael Müller ist Vorsitzender der Naturfreunde Deutschlands. 
Hubert Weiger ist Vorsitzender des BUND.

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