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AfD-Frau spielt beleidigte Leberwurst

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Von: Patrick Schlereth

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Spezialisiert auf die Opferrolle: AfD-Spitzenduo Weidel und Gauland.
Spezialisiert auf die Opferrolle: AfD-Spitzenduo Weidel und Gauland. © dpa

Wenn AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel den ZDF-Talk zum Thema "Wie geht's, Deutschland" vorzeitig verlässt, dann sieht das nach aufrichtiger Empörung aus. Niemand sollte darauf hereinfallen. Unser Kommentar.

Tosender Applaus brandet auf, als Alice Weidel den ZDF-Talk zum Thema „Wie geht's, Deutschland“ vorzeitig verlässt. So reagiert die AfD-Spitzenkandidatin auf die Aufforderung von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, sie solle sich von Co-Spitzenkandidat Alexander Gauland und dem „Rechtsradikalen“ Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke distanzieren – als würden Weidels Parolen („Für unser Deutschland werde ich kämpfen, so wahr mir Gott helfe“) weniger radikal daherkommen.

Die AfD-Spitzenkandidatin hätte Scheuers Angriff leicht abwehren können. Doch anstatt darauf zu verweisen, dass sie sich selbst für einen Parteiausschluss Höckes einsetzt, spielt Weidel die beleidigte Leberwurst und geht. In der Presse und den sozialen Netzen hat man nur Häme und Spott für den vorzeitigen Abgang übrig – und übersieht dabei, dass die gespielte Empörung allzu gut die Wahlkampfstrategie der AfD auf den Punkt bringt.

CSU-Mann Scheuer taugt nicht als AfD-Feindbild

Dazu passt die Stellungnahme, mit der Weidel ihren Abgang erklärt. Die Moderatorin Marietta Slomka habe sich in der Debatte „mit der frechen Intoleranz und der plumpen Argumentation von SPD und Grünen gemein gemacht. Das ist eines öffentlich-rechtlichen Senders nicht würdig.“ Frei übersetzt: Wenn die anderen anderer Meinung sind, dann kann das ja nur mit der Bildung eines linksgrünversifften Meinungskartells zu tun haben, das jede realistische Diskussion über vergewaltigende Flüchtlinge und schamlos ausgenutzte Sozialkassen verhindert.

So weit, so bekannt. Auffällig ist hierbei allerdings, dass Weidel nicht Scheuer, sondern Slomka die Schuld am Eklat gibt. Das dürfte nicht nur daran liegen, dass der CSU-Generalsekretär, der gerne mal verbal auf Flüchtlinge draufhaut, weniger als Feindbild für den AfD-Wähler taugt als die öffentlich-rechtlichen Sender. Auffällig schnell nach dem Ende der Sendung war die Stellungnahme in den sozialen Netzen verbreitet. Böse Zungen würden behaupten, die Erklärung sei schon vor der Sendung verfasst worden und Weidel habe während des Talks nur auf den richtigen Moment gewartet, empörten Schrittes von dannen zu ziehen.

Man kann über diese perfide Strategie lachen, aber es gibt durchaus Wähler, die sich davon um den Finger wickeln lassen. Aus den ersten Nutzerkommentaren zu einem Artikel im Online-Auftritt der „Welt“, der den Eklat zusammenfasst, spricht erstaunlich viel Sympathie für Weidels vorzeitigen Abgang. Angela K. etwa schreibt stellvertretend für alle, die der AfD ihre Opferrolle abkaufen: „Marietta Slomka hat sich nicht bemüht, Frau Weidel aufzuhalten. Niemand tat es. Nachdem A. Weidel gegangen ist, habe ich umgeschaltet, auf die Diskussion der Einheitspartei Deutschlands bin ich nicht neugierig. Von denen, die geblieben sind, wähle ich keinen.“

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