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AfD in sozialen Medien

Muss Selbstverliebtheit schön sein

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So mancher Ortsverein der AfD bekommt mehr Likes als jene von der SPD. Die Genossen sollten sich nicht grämen. Die Kolumne.

In den sozialen Netzwerken zeigt sich die AfD bestens aufgestellt. Beinahe jeder Ortsverband findet sich auf Facebook repräsentiert, auch die Kameraden aus dem Kreis Darmstadt. Mit 2580 Likes (27.2.) ist der Zuspruch ein wenig dürftig, aber immer noch besser als jener der Darmstädter SPD, die einzig von 1197 Personen mit einem „gefällt mir“ bedacht wird.

Grämen sollten sich die Genossinnen und Genossen dennoch nicht, bei den Hessenwahlen 2018 konnten sie im Wahlkreis Darmstadt Stadt II immerhin 19,3 Prozent der Stimmen verbuchen und somit deutlich mehr als die Blaubraunen mit 9,8.

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Auch die bundesweite AfD-Seite ist im Like-Modus ihrer sozialdemokratischen Konkurrenz überlegen: 448 123 Likes sind doppelt so viele, wie Rostock Einwohner hat. Und die Sozialdemokraten kommen mit ihren popeligen 188 376 Anhängern gerade einmal unwesentlich über die Einwohnerzahl Darmstadts (knapp 160 000) hinaus. Social-Media-Loser, möchte man den Sozis hinterhergreinen, was machen die Rechtsverdrehten richtig, was ihr offensichtlich nicht hinbekommt?

Betrachten wir doch den Facebook-Auftritt der AfD Darmstadt einmal genauer, denn die Partei gewährte kürzlich einen feinen Einblick in ihren Arbeitsalltag in Punkto Anhängerbespaßung. Vielleicht aus mangelnder Reaktionsfreudigkeit der Kameradschaft kommentierten die ihre eigenen Beiträge nämlich selbst: „Super, macht weiter ... Meine Stimme gilt der AfD. …“ So also klingt eine Nachricht der AfD Darmstadt an – die AfD Darmstadt. „Ihr von der AfD bringt wirklich Beiträge, die man woanders so nicht liest.“ Um nur ein Beispiel zu nennen.

Wer sich selbst so viel Liebe schenkt, ist sicherlich ein glücklicher Mensch, doch scheint dieser vor lauter Verliebtheit nicht zu merken, dass er sich gerade selbst den Bauch pinselt. Analog zur bösen Königin in Schneewittchen, die den Spiegel stets mit der immer gleichen Frage füttert, nur um ihre Selbstwahrnehmung bestätigt zu bekommen. Das könnte als ein Verhalten gedeutet werden, das den Fauxpas ins eigene Kommunikationsverhalten unbewusst einpreist. Kann man machen, denn für viele ist es mit sich selbst immer noch am kuscheligsten.

Trotzdem wirft das ein ungünstiges Licht auf sämtliche Likes und Abfeierkommentare, denn nicht jeder Admin ist so entwaffnend offen, sich und seine politische Agenda mit eigenem Parteienlogo zu lobpreisen. Der externe Bewunderer sollte derjenige sein, der den Ruhm mehrt, sonst bleibt man ein Blender und speist seine Potenz nur aus sich selbst.

Ganz so, wie aktuell AfD-Politiker Jens Maier, der – zur Einordnung seiner Person – 2017 über den Rechtsterroristen Breivik formulierte, „aus Verzweiflung“ zum Massenmörder geworden zu sein. Auf seinem Facebook-Bild hat Maier den Berliner Reichstag mit AfD-Fahnen besetzt und die Bundesrepublik dem Wunschdenken entsprechend in AfD-Land umdekoriert.

Da dürften sie sich in einer x-beliebigen braunen Männergruppe die Schenkel blau hauen ob dieser kleinen Fotomontage, die nichts anderes als die Machtphantasien eines rechten Politikers in seiner eigenen Blase spiegelt.

Ist halt beides nur Fake, aber nötig, da die Besorgten offenbar das sozialmediale Soldatenprogramm den Anforderungen entsprechend nicht erledigen. Aber keine Sorge, geliebt wird immer der, der sich selbst liebt. Insofern alle blauen Daumen hoch.

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