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AfD-Spitzen im Gespräch: Alice Weidel (rechts) im Bundestag mit Alexander Gauland (nicht ganz soweit rechts).

AfD gegen Maskenpflicht

Maske der „Freiheit“: Das blau-braune Corona-Chaos der AfD

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Die AfD ist für den Shutdown. Und plötzlich wieder dagegen. Vor allem ist sie gegen die Maskenpflicht. Und was verkaufen sie in ihrem „Fan-Shop“ für 6 Euro? Die Kolumne.

Die Haltung der AfD zur Corona-Pandemie und ihrer politischen Ausschlachtung ist eine komplizierte. Besonders anschaulich lässt sich das an Alice Weidel nachzeichnen. Die hatte am 12. März noch bitter beklagt, dass sämtliche EU-Länder das „öffentliche Leben praktisch“ einstellten. Nur in Deutschland, vermutlich der linksversifften Merkel wegen, könne sich Covid-19 „ungehindert ausbreiten. Das wird fatale Folgen haben!“.

AfD-Politikerin Alice Weidel kann sich in Sachen Corona nicht entscheiden

DieCorona-Schutzmaßnahmen sind bekannt, doch wie reagierte Weidel auf den vorab von ihr als Heil-Mittel angepriesenen Shutdown? Die Wirtschaft sei „SOFORT“ wieder hochzufahren, einfach nur „desaströs“ sei sie, die „Chaos-Politik der Bundesregierung“.

Ähnlich wirr waren die Forderungen ihres bayerischen Kameraden Andreas Winhart auf Twitter. Als ein Starkbierfest in Rosenheim abgesagt werden sollte, hatte er eine unnötige Panik beklagt, das Fest fand schließlich statt – und Winhart erstattete Anzeige gegen die Stadt.

AfD-Politiker auf Corona-Demos - mit Verschwörungstheoretikern

Offenbar wissen die Blau-Braunen nicht, ob sie Hü oder Hott sagen sollen, gilt es doch, das Fähnchen hurtig in Richtung Volksmeinung zu schwenken. Beziehungsweise gen Volkszorn, der sich aktuell auf den sogenannten „Hygiene-Demos“ entlädt. Dort versuchenVerschwörungstheoretiker und Rechtsextreme die Unzufriedenen aus dem bürgerlichen Spektrum für ihren Marsch an die politischen Machttöpfe zu rekrutieren.

Da kann die AfD natürlich nicht weit sein, die sich längst an die Proteste angewanzt hat. Unter anderem soll der von Jörg Meuthen geschasste Rechts-ganz-weit-außen-Mann Andreas Kalbitz in Cottbus auf einer Corona-Demo mitgelaufen sein.

Parallel schießt die AfD an verschiedenen Fronten gegen das Tragen von Mund- und Nasenschutz: „Schluss mit der Maskenpflicht“, heißt es etwa bei Meuthen und Weidel, die sich hier zur Abwechslung mal einig sind – im Gegensatz zur Kalbitz-Causa, da hatte Letztere gegen seinen Rauswurf gestimmt.

AfD verkauft den Mund- und Nasenschutz „Freiheit“

In ähnlichen Gefilden bewegt sich die AfD-Bundestagsabgeordnete Corinna Miazga. „Wer verdient an der Maskenpflicht?“, fragt sie gar auf Twitter im Hinblick auf Markus Söders Frau. Diese entstammt einer Unternehmerfamilie, die in einer Tochterfirma Gesichtsschilde hergestellt und als Spenden verteilt hatte. Miazga macht daraus die große Verschwörungserzählung eines Ministerpräsidenten, der das Volk unter der Maskenqual darben lässt, während die Gattin ihren Wohnsitz um einen Geldspeicher ergänzt.

Die AfD-Maske der Freiheit.

Und Miazgas Partei? Die eskaliert derweil das Logikproblem und verkauft im digitalen Fanshop neben Tassen und Jacken in schneidigem AfD-Blau auch die Mund-Nasen-Maske „Freiheit“. Einzeln oder im 25er-Paket wird sie für einen Stückpreis von sechs Euro, läppische 150 für die Großfamilie, feilgeboten – das Symbol der Unfreiheit sozusagen im Weißer-Riese-Weiß mit blauem „Freiheit“-Schriftzug.

Corona-Strategie-Chaos der AfD

Wer hat denn da seinen Adorno nicht gelesen? Wissen die Marketingspezialisten der AfD denn nicht, dass es kein richtiges Leben im falschen geben kann? Und ergo auch keine Freiheit unter der Knute einer Schutzmaske? Selbst dann nicht, wenn sie zu Propagandazwecken und dem Wohl der Parteikasse gefertigt und gepriesen wird?

Freiheit kann doch nur für jene gelten, die sich den Stofffetzen der Unterdrückung vom Gesicht reißen. Entsprechend macht die AfD genau genommen mit der Maskenpflicht – aka: „Unfreiheit“ – gerade Kasse. Was im Hinblick auf das blau-braune Corona-Strategie-Chaos jedoch nur eins ist: konsequent. 

Von Katja Thorwarth

Trendbarometer: AfD auf niedrigstem Wert seit Jahren. Seit 2017 hatte die Partei kein so schlechtes Ergebnis.

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