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Kolumne

Die Ängste der anderen

  • Anetta Kahane
    VonAnetta Kahane
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Was Islamisten so sehr fürchten, das ist die Attraktivität einer freien Gesellschaft. Verständnis dafür ist fehl am Platz.

Nichts ist für immer. Nicht einmal Montage – geschweige denn Pegida. Nach Dresden pilgern jetzt die miesen Ressentimentträger aller Regionen, weil sie woanders gescheitert sind. Deswegen wird Pegida wohl noch eine Weile Zulauf haben, wenn auch – nach dem Verbot – nicht zum Beginn dieser Woche. Und nach Leipzig, zu Legida, zieht es die harte Naziszene. Auch dort werden es sicher noch mehr, trotz der riesigen Gegendemonstration. Die Stimmung der Verteidiger des Abendlandes wird aggressiver, Übergriffe am Rande der Demonstrationen nehmen zu. Womöglich war ein junger Flüchtling aus Dresden sogar Opfer eines Mordes aufgeheizter Rassisten.

Auf der anderen Seite gehen Hunderttausend Menschen gegen diesen mörderischen Hass auf die Straße. Sie tun es, weil sie es selbst wollen, und organisieren es ohne jeden staatlichen Aufruf zum Anstand. Sie sind die lang ersehnte und oft beschworene Zivilgesellschaft. Hoffen wir, dass sie durchhält und stärker wird! Sie nutzt ihre Freiheit zum Protest gegen die Pegidisten, gegen deren Wunsch nach Abschottung und nach Fortsetzung der DDR mit anderen Mitteln.

Die Auseinandersetzung wird schärfer. Sie hat auch etwas Kathartisches, denn sie bringt Konflikte ans Licht, die lange verdrängt wurden: Unter den Augen des Rechtsstaates hatte es der Terror von Rechtsextremisten seit dem Mauerfall vermocht, Einwanderer aus dem Osten fernzuhalten. Jetzt kommen Flüchtlinge, die es sich nicht aussuchen können, ob sie in den Osten gehen wollen oder nicht. Die „friedliche Revolution“ der Wende hatte wohl Bürgerrechte für manche im Sinn, keineswegs aber Menschenrechte für alle. In (West-)Deutschland ist die Welt längst angekommen, Millionen Einwanderer zeigen das, trotz Abwehr und Rassismus. Auch der Islam als Realität in Deutschland kann seine Probleme nicht mehr leugnen. Er wird sich reformieren müssen.

Islamismus ist keineswegs das Resultat westlicher Unterdrückung von Muslimen, sondern das von drohenden Freiheiten. Der westliche Masochismus, der sich die Demokratie permanent schlechtredet, zeugt nicht von reflektierter Humanität. Er ist vor allem Ausdruck von rassistischer Ignoranz, die nur den Weißen das Leiden auf dem hohen Niveau von Wohlstand und Freiheit zubilligen will.

Die Islamisten des Terrors fliehen vor der modernen Welt, die sie von allen Seiten bedrängt, und vor einer globalen Mittelschicht, die von überall her näherrückt. Wenn es stimmt, dass die Dresdner Pegidisten vor allem mittel-mäßige, weiße Männer sind, geplagt von diffuser Abstiegsangst, dann ist es bei den Islamisten vermutlich die Furcht davor, dass „ihre Leute“ irgendwann auch besser und in Freiheit leben wollen. Also eine Art Aufstiegsangst. Angst – dieses deutsche Wort passt hier nicht, denn es heischt nach Verständnis, das keinem von beiden zusteht. Nur eines noch: von wegen christlich-jüdische Zivilisation vs. barbarische Muslime! Bis heute werden Christen verfolgt, wenn sie sagen, Jesus sei ein Jude gewesen. Und: Wenn unsere Wiege Abendland heißt, enthält sie auch das A von Auschwitz.

Nichts ist für immer. Weder Terror noch Pegida. Das ist meine Schlussfolgerung dieser Wochen, denn anders wären sie nicht auszuhalten.

Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

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