Die Härte einer Abschiebung (Symbolbild) nach dem tödlichen Messerangriff in Dresden sei absurd, so FR-Autorin Sabine Hamacher.
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Die Härte einer Abschiebung (Symbolbild) nach dem tödlichen Messerangriff in Dresden sei absurd, so FR-Autorin Sabine Hamacher.

Kommentar

Absurde Härte

  • Sabine Hamacher
    vonSabine Hamacher
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Der tödliche Messerangriff in Dresden hat die bekannten Reflexe ausgelöst. Ein Kommentar.

Dass aus den Reihen der Union immer lautere Rufe nach sofortiger Abschiebung des syrischen Tatverdächtigen schallen, kommt nicht überraschend. Doch selbst Grünen-Chef Robert Habeck stimmt in den Kanon ein und hält es für prinzipiell richtig, „Gefährder – also Menschen, die unsere liberale Ordnung mit Gewalt bedrohen – in ihre Herkunftsländer auszuweisen“.

Eine solche Forderung ist absurd und offenbart einen Blick, der keinen Millimeter über den eigenen Tellerrand hinausgeht. In Syrien herrscht Bürgerkrieg, es gibt keine verlässlichen Strukturen, keine Institutionen, die sich um Menschen kümmern, die anderen womöglich gefährlich werden können. Ganz abgesehen davon, was dem mutmaßlichen Täter selbst dort drohen könnte.

Die schreckliche Tat von Dresden ist mit keiner Silbe kleinzureden. Doch das Geschrei nach Abschiebung hilft keinen Schritt weiter, es soll wohl das Versagen der eigenen Behörden übertönen. Der gerade aus der Haft entlassene Mann stand unter „Führungsaufsicht“. Dennoch hat ihn niemand daran gehindert, einen Menschen zu erstechen. Von Resozialisierung kann in seinem Fall keine Rede sein, und das im vergleichsweise gut ausgestatteten Deutschland. Was wäre in Syrien passiert?

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