In Hötensleben erinnert ein Grenzpfosten an die Geschichte der innerdeutschen Grenze. 
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In Hötensleben erinnert ein Grenzpfosten an die Geschichte der innerdeutschen Grenze. 

„Doktor Stasi“

Abstempeln hilft nicht

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Der DDR-Geheimdienst hat auch Doktortitel hervorgebracht. Sollen ihre Träger jatzt alle den Zusatz „Stasi“ tragen? Ein Kommentar. 

Sollten Sie mal einem ehemaligen DDR-Bürger mit Doktortitel begegnen, dann ist nicht ganz ausgeschlossen, dass er seinen Titel mit einer Arbeit über „verbrecherische Grenzüberschreitungen“ (auf Deutsch: Fluchtversuche aus der zugemauerten DDR) erworben hat. 485 promovierte Spitzel soll es gegeben haben.

DDR-Doktortitel dürfen laut Einigungsvertrag nicht aberkannt werden, und das ist, abgesehen von der Stasi, durchaus gerecht. Aber jetzt macht Roland Jahn einen Vorschlag, der die Frage aufwirft, ob der 1. April neuerdings auf Weihnachten fällt: Die betreffenden Doktortitel sollten mit dem Zusatz „Stasi“ versehen werden, fordert der oberste Verwalter der Geheimdienst-Akten.

Jahn weist zu recht darauf hin, dass diese Arbeiten „Anleitungen zur Verletzung der Menschenrechte“ sind. Und gut ist, dass die Machwerke öffentlich zugänglich werden sollen. Aber obwohl Jahn beteuert, er wolle niemanden „abstempeln“, täte seine Idee vom „Doktor der Stasi“ genau das.

Vielleicht wollte Jahn nur daran erinnern, dass die Aufarbeitung längst nicht zu Ende ist. Damit hätte er immerhin recht. 

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